1. Waterloo-Modell des Captain Siborne

Beitragsseiten

1830 begann Hauptmann William Siborne eine systematische Studie der Schlacht von Waterloo. Er verbrachte acht Monate mit der Besichtigung des Schlachtfeldes und sammelte detaillierte Berichte von vielen der britischen Offiziere, die dabei gewesen waren. Siborne liess daraufhin zwei Modelle bauen; eins, das den letzten französischen Angriff darstellte, und dieses, 1844 gebaute, das einen Teil der Schlacht am 18.Juni gegen 14:00 Uhr darstellt. Heute steht dieses zweite Modell im Museum Leeds, wo ich zahlreiche Photos anfertigen konnte.

Gesamtansicht des Dioramas

Siborne schrieb auch ein Buch über die Schlacht und veröffentlichte einen Atlas des Feldzuges von 1815. Obwohl neuerliche Forschungen Sibornes Platzierung bestimmter Einheiten in Frage gestellt haben, ist die aussergewöhnliche Präzision seiner Darstellung des Schlachtfeldes selbst unbestritten.

Titelblatt des Werkes von SiborneLeitfaden zu Capitain Siborne’s Modell von dem Theile der Schlacht von Waterloo in welchem das Zentrum der Armee des Herzogs von Wellington aus den deutschen Truppen unter Graf Alten und der linke Flügel aus den deutschen Truppen unter Sir Thomas Picton bestehend, die erste große Attacke von Napoleon erhielten und mit Beinahme der britischen schweren Cavalerie zurückschlugen

Hamburg, Druck von I. I. S. Wörmer jun. & Comp., Kraienkamp Nr. 21 (ca. 1850)

Im Folgenden möchte ich den Originalwortlaut dieses frühen "Führers" für das eine Waterloo-Diorama komplett veröffentlichen und mit Photos vom Modell ergänzen. Fußnoten des Originals sind in rechteckigen Klammern direkt im Anschluß an die entsprechende Textstelle eingefügt.

 

Zahlreiche Abbildungen und Photos können durch Anklicken der verkleinerten Darstellung in einem separaten Fenster betrachtet werden. 

Die besondere Abtheilung der Schlacht von Waterloo, die für den Zweck des gegenwärtigen Modells ausgewählt ward, ist diejenige, in welcher von Napoleon der erste große Angriff auf das Centrum und den linken Flügel der Armee des Herzogs von Wellington gemacht und von den englischen und deutschen Truppen auf eine Weise zurückgeschlagen ward, die diesen Theil der Schlacht zu einem der brilliantesten derselben machte; ja es ist sogar sehr zu bezweifeln, ob ein Seitenstück dazu in der ganzen Reihe der glorreichen Thaten – und deren Zahl war nicht gering, - durch welche die großen Schlachten während des Krieges mit Napoleon sich auszeichneten, überhaupt aufzufinden sei.

Das Modell umfasst von dem Schlachtfelde nur so viel, als zur Darstellung dieses Theiles der Schlacht wesentlich nothwendig ist, nämlich das Centrum und den Haupttheil des linken Flügels der englischen alliierten Armee. Capitain Siborne beabsichtigt, dem deutschen Publicum auch sein großes Modell des ganzen Schlachtfeldes darzustellen, welches so ausgezeichneten Beifall in England eingeerntet hat. 

Folgende Truppen sind, als bei der Schlacht betheiligt, auf dem Modell dargestellt:

Englische und Alliierte Infanterie

Ausschnitt des Modells auf der Karte von Waterloo
Ausschnitt des Modells
auf der Karte von Waterloo
Originalkarte aus dem Siborne-Buch 
Originalkarte aus dem Siborne-Buch
 

Zur Linken der Straße von Charleroi

  • die Brigade des Generalmajor Sir James Kempt, bestehend aus dem 26sten, 32sten und 79sten Regimente und dem 1sten Bataillon des 95sten Regiments Schützen 
  • [Das 28ste bildet die linke Seite der Brigade, das 32ste die rechte, das 79ste das Centrum]
  • die Brigade des Generalmajor Sir Denis Pack, umfassend das 1ste, 42ste, 44ste und 92ste Regiment
  • [Das 1ste bildet die rechte, das 92ste die linke Seite der Brigade, und das 42ste das Centrum. Das 44ste steht hinten in Reserve]
  • die äußerste Rechte von Oberst Best's Hannoverscher Brigade, nämlich ein Theil des Landwehr-Bataillons Lüneburg 
  • Diese Truppen machten die 5te Division unter dem Generallieutenant Sir Thomas Picton aus. Die holländisch-belgische Brigade des Generalmajor Byland war an dem äußeren Ausschnitte des Schlachtfeldes aufgestellt worden, in Front mit dem Zwischenraum zwischen den BrigadenKempt und Pack, doch da sie sich von diesem Theile des Schlachtfeldes schnell zurückzog, als die Franzosen zum Angriff (in der nachbeschriebenen Weise) vorrückten, so ist sie natürlich auf dem Modell nicht mit dargestellt.

Zur rechten Seite der Straße von Charleroi

  • die Brigade des Obersten Ompteda von des Königs deutscher Legion, bestehend aus den 1sten und 2ten leichten Bataillonen und dem 5ten Bataillon
  • [Das 2te leichte Bataillon besetzte das Vorwerk La Haye Sainte, das 8te Linienbataillon, das ebenfalls zu dieser Brigade gehörte, stand in zweiter Linie auf dem Platze, der nicht mit in den auf dem Modell dargestellten Raume eingeschlossen ist]
  • ein Theil der hannoverschen Brigade des Grafen von Kielmansegg, nämlich das Feldbataillon Lüneburg und ein Theil des Feldbataillons Grubenhagen.  Diese Truppen gehörten zu der dritten Division unter dem Generallieutenant Grafen von Alten.
  • [Dieses Bataillon war mit dem Feldbataillon York in Quarre im zweiten Treffen aufgestellt, welches Quarre ein wenig vorwärts nach dem Bataillon Lüneburg hingerückt dargestellt ist, da es zur Unterstützung der Truppen von La Haye Sainte bestimmt war]
Karree des 5. Linienbataillons der KGL Feldbataillon Grubenhagen
Karree des 5. Linienbataillons der KGL Feldbataillon Grubenhagen

Britische Cavalerie

Auf der linken Seite der Straße von Charleroi

  • die Brigade des Generalmajor Sir William Ponsonby, bestehend aus dem 1sten Regimente königliche Dragoner, zur rechten Seite; zur linken das 2te Regiment schottische Dragoner; das 6te Regiment Dragoner (Inniskillings) im Centrum das 2te Regiment Leibgarde, das einen Teil der Brigade Lord Eduard Somerset’s bildete, von welcher die übrigen Regimenter

zur rechten Seite der Straße von Charleroi stehen

  • nämlich rechts das 1ste Regiment Leibgarde,; die königliche Garde zu Pferde (blau) in Reserve; und das erste Regiment Garde-Dragoner im Centrum. 

Französische Infanterie

Auf der (französischen) Rechten der Straße von Charleroi

  • die erste Brigade von General Donzelot’s Division, bestehend aus dem 13ten Regimente leichte Infanterie und dem 17ten Linienregimente, jeweils aus 2 Bataillonen bestehend;
  • die zwei Brigaden von der Division des General Alix, bestehend aus dem 54sten, 55sten, 28sten und 105ten Linienregimente, jedes aus 2 Bataillonen zusammengesetzt;
  • die 2 Brigaden von der Division des General Marcognet, bestehend aus dem 21sten, 46sten, 25sten und 45sten Linienregimente, ebenfalls jedes 2 Bataillone.

Auf der (französischen) linken Seite der Straße von Charleroi

  • die zweite Brigade der Division Donzelot, bestehend aus einem Theile des 19ten und des 51sten Linienregiments.

Diese sämmtlichen Truppen gehörten zum 1sten Armeecorps, welches der Generallieutenant Graf d’Erlon befehligte.

Französische Cavalerie

Die Brigade des General Roussel von der Division des Grafen von Valmy (Kellermann), bestehend aus dem 1sten und 2ten Carabinier-Regimente und aus dem 2ten und 3ten Cürassier-Regimente.

Die einzigen Batterien auf diesem Theile des Schlachtfeldes zu dem ausgewählten Zeitpunkt waren: die reitende Batterie des Oberstlieutenant Ross zur rechten der Straße von Charleroi, und Major Rogers Fuß-Batterie, so wie auch ein Theil von Capitain von Rettberg’s Hannoverscher Fußbatterie zur linken der Straße. 

Batterie Rettberg Batterie Rettberg Batterie Rettberg
Batterie Rettberg (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)
     
 Batterie Rogers  Batterie Rogers  
Batterie B Rogers im Zentrum (Bild 1 - Bild 2)   
     
 Batterie Ross  Batterie Ross  Batterie Ross
   Batterie C Ross rechts (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)

Die Stärke der Truppen, die auf dem Modell darstellt werden, war ungefähr folgende:

Infanterie   Cavalerie  
Englische 3,104 Britische 2,400
K. Deutsche Legion 1,139    
Hannoversche 805    
Französische 13,200 Französische 1,000