1. Waterloo-Modell des Captain Siborne - Angriff der Englischen Kavallerie

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Von diesem äußerst tapferen und entscheidenden Angriff der Kempt’schen Brigade müssen wir zur Beschreibung der nicht weniger glänzenden Angriffe übergehen, welche sowohl von Somerset’s als von Ponsonby’s Cavalerie-Brigade ausgeführt wurden. Doch zum leichteren Verständnis dieses Theiles der Action wird es nöthig sein, zuerst zu dem Angriff und der Vertheidigung von La Haye Sainte zurückzukehren.

Die französischen Vorposten von der linken Brigade von Donzelot’s Division rückten kühn und entschlossen gegen den Obstgarten von La Haye Saint an. Der erste Schuß riß den Zügel von Major Baring’s Pferde knapp an seiner Hand weg und der zweite tödtete den Major Bösewiel, den nächsten Befehlshaber. Die 3 Compagnien des 2ten leichten Bataillons von des Königs deutscher Legion, welche, wie eben gesagt, im Obstgarten aufgestellt waren, zugleich mit 2 Compagnien des ersten leichten Bataillons von der deutschen Legion unter den Capitains Wynecken und von Goeben, und einer Compagnie hannoverscher Schützen unter Major von Spörken, die auf der rechten Seite der Meierei standen, leisteten dem Feinde einen tapferen Widerstand; doch der letztere drang mit überlegener Macht vor und da das Hauptcorps der französischen Brigade zwei Angriffs-Colonnen gebildet hatte, welche rasch vordrangen, eine in den Obstgarten, die andere gegen die Gebäude, so zog sich Major Baring bis an die Scheune zurück. In diesem Augenblicke erreichte Oberst von Klencke mit dem Feldbataillon Lüneburg die Meierei, welches Bataillon von Wellington bei Wahrnehmung des Vordringens der Franzosen vom linken Flügel der Kielmannsegg’schen Brigade detachirt hatte, die Truppen von La Haye Sainte zu verstärken. Baring suchte sogleich den Obstgarten wieder zu gewinnen und hatte bereits den Feind zurückgetrieben, als er eine starke Linie Kürassiere an der rechten Fronte der Einzäunung sich aufstellen sah. Zugleich kam Lieutenant Meyer mit dem Rapport, daß der Feind den Garten umzingelt hae, in welchem seine Compagnie aufgestellt sei, und daß derselbe sich nicht länger behaupten lasse. Baring befahl ihm, sich in die Gebäude zu werfen und sie vertheidigen zu helfen. Die Vorposten zur Rechten rannen bei dem plötzlichen Erscheinen der Cavalerie nach dem Obstgarten, um sich dort wieder zu versammeln; allein durch das Zusammentreffen mit den neu angekommenen Hannoveranern kamen die etzteren in Unordnung, und der Eindruck, den der Anblick der anrückenden Cavalerie, so wie das Kriegsgeschrei der französischen Infanterie, als sie vom Garten in ihrem Rücken Besitz nahmen, war so groß, daß diese ganze Truppenmasse ungeachtet aller Anstrengungen Barings, diese Leute zum Halten zu bringen und sie wieder zu sammeln, ohne Unterschied die Flucht nach der Hauptstellung der alliierten Armee ergriffen, worin sie, wie es schien, die einzige Möglichkeit ihrer Rettung zu erblicken glaubten. Aber sie wurden schnell enttäuscht. Die Cavalerie überholte sie inmitten ihres verworrenen Rückzuges, überritten sie, hieben sie nieder und zerstreuten den Rest, während sie, was die Größe ihres Verlustes nur noch vermehrte, nachdem die Cavalerie weitergezogen, einem Flankenfeuer von der feindlichen Infanterie von der Hecke des Gartens ausgesetzt waren. Ein Theil von ihnen erreichte glücklich das Hauptcorps, während der Rest sich in die Gebäude warf und die kleine Garnison unter den Lieutenants Carey und Gräme und Fähndrich Frank verstärkte, welche mit Muth und Erfolg den Besitz trotz der heftigen Angriffe von Seiten der leichten französischen Truppen behauptete. Das Hannoversche Bataillon litt indeß bedeutend, viele waren getödtet und verwundet, unter den letzteren der commandirende Offizier, Oberstlieutenant von Klencke, und unter den Gefangenen war Major v. Dachenhausen. Einige der Entkommenen retteten sich durch eiligste Flucht nach der hohen Straße. Die Wenigen, die man während des Restes vom Tage wieder zusammengebracht hatte, bildeten nur einen sehr unbedeutenden Theil der ursprünglichen Stärke des Bataillons.

La Haye Sainte La Haye Sainte La Haye Sainte
La Haye Sainte La Haye Sainte La Haye Sainte
Kampf um La Haye Sainte
(Bild 1 - Bild 2 - Bild 3 - Bild 4 - Bild 5 - Bild 6)

Als der Earl v. Uxbridge das Vorrücken der französischen Cavalerie bei La Haye Sainte auf der (britischen) rechten Seite der Charleroi-Straße (derselben, die, wie wir bemerkten, das Hannoversche Bataillon und Baring’s Vorposten von der Legion zerstreut hatte), so wie die Annäherung der Infanterie-Colonnen bemerkte, welche den Angriff auf den alliierten linken Flügel auf der entgegengesetzten Seite der Straße formirten, entschied er sich für einen gemeinschaftlichen Angriff der schweren Cavalerie-Brigaden des Lord Eduard Somerset und Sir William Ponsonby, die ersten auf die feindliche Cavalerie, die letztere gegen die Infanteriemassen. Kaum war der Entschluß gefasst, als er auch zur Ausführung desselben schritt; er ritt zu Lord Somerset und befahl ihm, die Linie zu formiren und die „Blauene“ (Leibgarde) in Reserve zu halten, und nach Ponsonby’s Brigade auf der entgegengesetzten Seite der Hochstraße galoppirend, befahl er diesem Offizier, in Linie zu schwenken, sobald er die andere Brigade das Nämliche thun sähe, und die schottischen Grauen (Dragoner) in Reserve zu halten. Dann kehrte er zurück und setzte sofort die ganze Masse in Bewegung.

Da dies der erste Angriff war, den die Franzosen an diesem Tage auf offenem Felde machten, so brannte Lord Uxbridge vor Begierde, die überlegene Tapferkeit der britischen Cavalerie im Kampfe mit ihnen, wenn möglich, zu zeigen und diesen Vertrauen, so wie ihren Gegnern Respekt einzuflößen. Um den Muth und Enthusiasmus seiner Truppen zu erhöhen, führte er in Person die Avantgarde an, die Fronte des linken Flügels von Somerset’s Brigade, um ungefähr in der Mitte der Linie zu sein, wenn die Brigaden bei ihrem Vorrücken in Front der alliierten Stellung sich vereinigen würden. Edel und getreu erfüllten diese braven Dragoner seine Wünsche und Erwartungen.

Für den Zweck, seinen Cavallerie-Angriffen wirksame Unterstützung zu sichern, hatte Lord Uxbridge vor Anfang der Schlacht den Generalen der Brigade angedeutet, daß er, da er nicht überll gegenwärtig sein könne, um Befehle zu erteilen, erwarte, sie werden es stets auf sich nehmen, mit den Angriffs-Bewegungen in ihrer Fronte im Einverständnis zu handeln und sie zu unterstützen; und da er auf diese Weise leichte Cavalerie-Brigaden auf jeder Flanke der angreifenden Macht hatte, fühlte er sich völlig gerechtfertigt, indem er sich selbst an die Spitze der Linie stellte, besonders da er jede der vorrückenden Brigaden auf ihre unmittelbare Unterstützung gewiesen hatte. Obgleich durch Ergreifung dieser Vorsichtsmaßregeln sehr beschönigt, war diese Handlung von Seiten des Commandeurs der ganzen Cavalerie einer Armee wohl nicht eine ganz kluge zu nennen; denn bei dem Angriff einer ausgedehnten Linie von Cavalerie auf einen so nahen Feind wird der Anführer, wenn der Anlauf einmal begonnen ist, so vollständig mit der Linie selbst vermischt, daß sein persönliches kräftiges Commando plötzlich auf das eines Officiers von der Schwadron sich beschränken muß, während er, wenn er eine zweite Linie begleitet, stets im Stande ist, den Angriff zurückzuziehen, oder zu verstärken, je nachdem es die Umstände erfordern. Sein lebhaftes Verlangen jedoch, diesen ersten Angriff zu einer glänzenden Affaire zu machen, verbunden mit seinem ritterlichen Charakter, verleiteten ihn, die Stelle der Ehre und der Gefahr einzunehmen, um durch sein Beispiel als das eines kühnen und entschlossenen Kriegers die Mannschaft animiren. Zugleich vertraute er auf die Disposition, die er bereits gemacht, und auf die Aufmerksamkeit seines Brigadiers auf die nöthige Unterstützung seines Angriffes, welche jedoch in Folge von zufälligen Umständen, wie aus dem Folgenden hervorgehen wird, nicht zu dem Momente erschien, wo sie dringend nothwendig ward.

Die französische Cavalerie-Linie bot, als sie vorrückte, einen imponirenden Anblick dar. Diese Veteranen im Kriegsdienst trugen das Ansehen eines stolzen Vertrauens auf ihre Überlegenheit und der Gewissheit ihres Sieges, verbunden mit einer gewissen Freudigkeit, die ihnen ohne Zweifel die Erwägung einflößte, daß sie daran waren, mit ihren unversöhnlichen Feinden, den Engländern, zusammenzutreffen und sie zu schlagen. Ihr Vorrücken, gleich dem der Infanterie zu ihrer Rechten, war bis zu einem gewissen Grade siegreich gewesen; und da die Flucht der Holländer und Belgier die Infanterie zu der Einbildung verleitet hatte, der Sieg sei schon in der Hand, so wurde die Zerstreuung der Hannoveraner von diesen Dragonern schon als ein glückliches Vorspiel ihres großen Angriffs begrüßt. Sie hatten nun die Spitze der Anhöhe erstiegen, auf welcher die lliierte Infanterie aufgestellt war, bereit zu ihrem Empfang. Ein lebhaftes Feuer wurde auf sie aus vier Kanonen von Roß’s reitender Batterie auf der rechten Seite der Hochstraße eröffnet, so wie auch von Lloyd’s britischer Fuß-Batterie noch weiter rechts; doch wenige Minuten reichten hin, ihre Ordnung wiederherzustellen; im nächsten Augenblicke bliesen ihre Trompeten zum  Angriff, während diese tapfere Linie unter dem Rufe "Vive l’Empereur!" blitzend in dem Glanze, den ihre polirten Helme und Kürasse zurückwarfen, zum Angriff stürzten. Auf der anderen Seite war die englische Leibgarden-Brigade, eine schöne Linie, von einem gleichen Enthusiasmus beseelt, bereits in vollem Angriffe, und als die Kürassire den Quarres nahe kamen und von ihrer Fronte eine Salve erhielten, stürzten sich beide Heere mit einer unbeschreiblichen Wuth auf einander. Der Zusammenstoß war fürchterlich. Und die Kürassieren, deren Säbel viel länger und deren Körper in Stahl gehüllt, während die der Engländer ohne solche Vertheidigungsmittel waren, schienen auf einen Augenblick sich zwischen die Pferde ihrer wüthenden Gegener drängen zu wollen. Die Schwerter glänzten hoch in der Luft mit der Schnelligkeit des Blitzes, bald heftig an einander rasselnd, bald dröhnend auf den widerstrebenden Rüstungen, während sich mit dem Getöse des Handgemenges das Geschrei und Stöhnen der Kämpfenden mischte. Im vergeblichen Kampfe um die Oberhand fielen Reiter unter tödlichen Stichen oder sicher treffendem Hieb. Pferde, ins Gewühl oder zurückstürzend, taumelten zur Erde nieder, oder brachen wild aus ihren Reihen. Doch so verzweifelt und blutig, so kurz war der Kampf. Die physische Überlegenheit der Engländer, unterstützt durch die ungeheuerste Tapferkeit, machte sich bald geltend, und die Kürassiere wurden, ungeachtet ihrer höchst tapfern und entschlossenen Gegenwahr vom Hügel herabgetrieben, den sie nur wenige Minuten zuvor mit allen dem Stolz und Vertrauen von Männern, die gewohnt und entschlossen sind, jeden Widerstand zu überwinden, erstiegen hatte. Dieses erste Zusammentreffen im Angriffe bereitete sich jedoch nicht auf die ganze Linie der Kämpfenden aus. Somerset’s Linie stand nicht parallel mit der der Kürassiere, und da der rechte Flügel der ersteren etwas vorwärts gezogen war, so kam dieser zuerst mit dem Feinde in Berührung und das Zusammentreffen erfolgte wegen der Schnelligkeit des Angriffes von beiden Seiten ohne Unterbrechung in der Richtung der alliierten Linken, bis die weitere Fortsetzung desselben durch eine naürliche Hemmung aufgehalten ward, die in dem Hohlwege bestand, durch welchen der Kreuzweg in die Straße von Charleroi führt. Die Kürassiere auf der rechten Seite der französischen Linie wurden plötzlich in ihrer Eile aufgehalten, als sie unerwartet an diesem Hohlweg kamen, in den sie natürlich in Unordnung hinabstiegen, und als sie begannen, ihre Pferde an der anderen Seite hinauf zu zwingen, erblickten sie das 2te Regiment der britischen Leibgarde, das den linken Flügel von Somerset’s Brigade bildete, in voller Eile ihnen entgegenstürzend. Jede Idee von Widerstand ward in einer solchen Lage als hoffnungslos aufgegeben. Sie zogen sofort den Hohlweg rechts hinab und schlugen sich über die Charleroi-Straße hinweg auf das Feld in Fronte der Schützen vom 95sten Regimente, und verfolgt von dem 2ten Leibgarde-Regimente, die in derselben Unordnung waren, indem sie ihren Weg, so gut sie konnten, den jähen Abhang hinab, suchen mussten welcher an den Durchschnitt der zwei Straßen stößt. Diese Kürassiere, nachdem sie sich unter die Vordertreffen der französischen Infanterie gestürzt hatten, versammelten sich dicht und in Unordnung in dieser Umgebung, zügelten ihre Rosse, machten gegen Ihre Verfolger Fronte und ließen sich mit ihnen Mann für Mann in Handgemenge ein. [Unter den Kämpfenden auf diesem Theile des Feldes war Einer, dessen Tapferkeit ihm große Ehre erwarb. Dies war Corporal Shaw vom 2ten Garde-Regiment, ein berühmter Faustkämpfer, der eine große physische Stärke besaß, verbunden mit der muthvollsten Entschlossenheit. Als er mitten unter den Kürassieren war, machte er sich durch die Kühnheit und das Geschick bemerkbar, womit er auf Alle losging, die ihm in den Weg kamen. Rasch und tödlich waren die Hiebe, die er rings um sich austheilte, und man sagt, daß er in unglaublich kurzer Zeit neun seiner Gegner niederstreckte. Seinem Siegeslauf ward aber schnell ein Ende gemacht. Ein Kürassier, der ein wenig vorgedrungen war, als wollte er nach der Linken des zweiten Garde-Regiments, kehrte um, nahm Shaw mit seinem Karabiner scharf auf's Korn und beraubte ihn des Lebens, welches sein mächtiger Arm und seine tapfere Kühnheit gegen die Schwerter Aller, die sich ihm näherten, behauptet hatte.] Doch wurde ihnen ihre Schwäche in dieser Art des Kampfes bald fühlbar und sie ergaben sich entweder den Siegern oder sie flohen eiligst, während zu derselben Zeit Kempt’s Brigade am unteren Ende der alliierten Stellung einen glorreichen Angriff machte und sich auf die Infanterie warf, unter welche sich die Reiter auf die vorher beschriebene Weise gemischt hatten. 

Angriff der Kavallerie unter Somerset Angriff der Kavallerie unter Somerset Angriff der Kavallerie unter Somerset
Angriff von Somerset (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)

Kaum hatte Ponsonby die Garde-Cavalerie in Bewegung erblickt, als er in Folge der erhaltenen Befehle seine eigene Brigade vorführte; da er jedoch nicht hinreichend vom Stande der Affaire auf der entgegengesetzten Seite der Wavre-Streße überzeugt war, und nicht wünschte mit seiner Linie gegen die feindlichen Massen zu avanciren, bis der günstige Augenblick gekommen wäre, befahl er einen Augenblick Halt, und ritt nach der Hecke, um sich durch persönliche Beobachtung der rechten Zeit zum Angriff zu versichern. Er wurde von Capitain Muter begleitet, der die Inniskillings-Dragoner befehligte, dessen Rückkehr er aber wünschte um sich an die Spitze der Schwadron des Centrums zu stellen un die Bewegung anzuordnen und zu leiten, in dem Augenblicke, wenn er ihm durch Emporhalten seines Hutes das Zeichen dazu geben würde. Es ist nöthig zu bemerken, daß die schottischen Dragoner (Greys), welche kurz vor diesem Vorrücken im Hintertreffen standen, wohin gerade das feindliche Flankenfeuer nach dem Übergang über den Hügel in Front in rascher Folge herabkam und einigen Verlust in ihren Reihen verursachte, nach einem etwas tieferen Terrain, im linken Hintergrunde der 2 andren Regimenter beordert worden waren, welche neue Stellung sie kaum eingenommen hatten, als die letzteren vorgerückt waren, wie oben gesagt, und die Dragoner (Greys) schlossen sich sofort dieser Bewegung an.