1. Waterloo-Modell des Captain Siborne

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1830 begann Hauptmann William Siborne eine systematische Studie der Schlacht von Waterloo. Er verbrachte acht Monate mit der Besichtigung des Schlachtfeldes und sammelte detaillierte Berichte von vielen der britischen Offiziere, die dabei gewesen waren. Siborne liess daraufhin zwei Modelle bauen; eins, das den letzten französischen Angriff darstellte, und dieses, 1844 gebaute, das einen Teil der Schlacht am 18.Juni gegen 14:00 Uhr darstellt. Heute steht dieses zweite Modell im Museum Leeds, wo ich zahlreiche Photos anfertigen konnte.

Gesamtansicht des Dioramas

Siborne schrieb auch ein Buch über die Schlacht und veröffentlichte einen Atlas des Feldzuges von 1815. Obwohl neuerliche Forschungen Sibornes Platzierung bestimmter Einheiten in Frage gestellt haben, ist die aussergewöhnliche Präzision seiner Darstellung des Schlachtfeldes selbst unbestritten.

Titelblatt des Werkes von SiborneLeitfaden zu Capitain Siborne’s Modell von dem Theile der Schlacht von Waterloo in welchem das Zentrum der Armee des Herzogs von Wellington aus den deutschen Truppen unter Graf Alten und der linke Flügel aus den deutschen Truppen unter Sir Thomas Picton bestehend, die erste große Attacke von Napoleon erhielten und mit Beinahme der britischen schweren Cavalerie zurückschlugen

Hamburg, Druck von I. I. S. Wörmer jun. & Comp., Kraienkamp Nr. 21 (ca. 1850)

Im Folgenden möchte ich den Originalwortlaut dieses frühen "Führers" für das eine Waterloo-Diorama komplett veröffentlichen und mit Photos vom Modell ergänzen. Fußnoten des Originals sind in rechteckigen Klammern direkt im Anschluß an die entsprechende Textstelle eingefügt.

 

Zahlreiche Abbildungen und Photos können durch Anklicken der verkleinerten Darstellung in einem separaten Fenster betrachtet werden. 

Die besondere Abtheilung der Schlacht von Waterloo, die für den Zweck des gegenwärtigen Modells ausgewählt ward, ist diejenige, in welcher von Napoleon der erste große Angriff auf das Centrum und den linken Flügel der Armee des Herzogs von Wellington gemacht und von den englischen und deutschen Truppen auf eine Weise zurückgeschlagen ward, die diesen Theil der Schlacht zu einem der brilliantesten derselben machte; ja es ist sogar sehr zu bezweifeln, ob ein Seitenstück dazu in der ganzen Reihe der glorreichen Thaten – und deren Zahl war nicht gering, - durch welche die großen Schlachten während des Krieges mit Napoleon sich auszeichneten, überhaupt aufzufinden sei.

Das Modell umfasst von dem Schlachtfelde nur so viel, als zur Darstellung dieses Theiles der Schlacht wesentlich nothwendig ist, nämlich das Centrum und den Haupttheil des linken Flügels der englischen alliierten Armee. Capitain Siborne beabsichtigt, dem deutschen Publicum auch sein großes Modell des ganzen Schlachtfeldes darzustellen, welches so ausgezeichneten Beifall in England eingeerntet hat. 

Folgende Truppen sind, als bei der Schlacht betheiligt, auf dem Modell dargestellt:

Englische und Alliierte Infanterie

Ausschnitt des Modells auf der Karte von Waterloo
Ausschnitt des Modells
auf der Karte von Waterloo
Originalkarte aus dem Siborne-Buch 
Originalkarte aus dem Siborne-Buch
 

Zur Linken der Straße von Charleroi

  • die Brigade des Generalmajor Sir James Kempt, bestehend aus dem 26sten, 32sten und 79sten Regimente und dem 1sten Bataillon des 95sten Regiments Schützen 
  • [Das 28ste bildet die linke Seite der Brigade, das 32ste die rechte, das 79ste das Centrum]
  • die Brigade des Generalmajor Sir Denis Pack, umfassend das 1ste, 42ste, 44ste und 92ste Regiment
  • [Das 1ste bildet die rechte, das 92ste die linke Seite der Brigade, und das 42ste das Centrum. Das 44ste steht hinten in Reserve]
  • die äußerste Rechte von Oberst Best's Hannoverscher Brigade, nämlich ein Theil des Landwehr-Bataillons Lüneburg 
  • Diese Truppen machten die 5te Division unter dem Generallieutenant Sir Thomas Picton aus. Die holländisch-belgische Brigade des Generalmajor Byland war an dem äußeren Ausschnitte des Schlachtfeldes aufgestellt worden, in Front mit dem Zwischenraum zwischen den BrigadenKempt und Pack, doch da sie sich von diesem Theile des Schlachtfeldes schnell zurückzog, als die Franzosen zum Angriff (in der nachbeschriebenen Weise) vorrückten, so ist sie natürlich auf dem Modell nicht mit dargestellt.

Zur rechten Seite der Straße von Charleroi

  • die Brigade des Obersten Ompteda von des Königs deutscher Legion, bestehend aus den 1sten und 2ten leichten Bataillonen und dem 5ten Bataillon
  • [Das 2te leichte Bataillon besetzte das Vorwerk La Haye Sainte, das 8te Linienbataillon, das ebenfalls zu dieser Brigade gehörte, stand in zweiter Linie auf dem Platze, der nicht mit in den auf dem Modell dargestellten Raume eingeschlossen ist]
  • ein Theil der hannoverschen Brigade des Grafen von Kielmansegg, nämlich das Feldbataillon Lüneburg und ein Theil des Feldbataillons Grubenhagen.  Diese Truppen gehörten zu der dritten Division unter dem Generallieutenant Grafen von Alten.
  • [Dieses Bataillon war mit dem Feldbataillon York in Quarre im zweiten Treffen aufgestellt, welches Quarre ein wenig vorwärts nach dem Bataillon Lüneburg hingerückt dargestellt ist, da es zur Unterstützung der Truppen von La Haye Sainte bestimmt war]
Karree des 5. Linienbataillons der KGL Feldbataillon Grubenhagen
Karree des 5. Linienbataillons der KGL Feldbataillon Grubenhagen

Britische Cavalerie

Auf der linken Seite der Straße von Charleroi

  • die Brigade des Generalmajor Sir William Ponsonby, bestehend aus dem 1sten Regimente königliche Dragoner, zur rechten Seite; zur linken das 2te Regiment schottische Dragoner; das 6te Regiment Dragoner (Inniskillings) im Centrum das 2te Regiment Leibgarde, das einen Teil der Brigade Lord Eduard Somerset’s bildete, von welcher die übrigen Regimenter

zur rechten Seite der Straße von Charleroi stehen

  • nämlich rechts das 1ste Regiment Leibgarde,; die königliche Garde zu Pferde (blau) in Reserve; und das erste Regiment Garde-Dragoner im Centrum. 

Französische Infanterie

Auf der (französischen) Rechten der Straße von Charleroi

  • die erste Brigade von General Donzelot’s Division, bestehend aus dem 13ten Regimente leichte Infanterie und dem 17ten Linienregimente, jeweils aus 2 Bataillonen bestehend;
  • die zwei Brigaden von der Division des General Alix, bestehend aus dem 54sten, 55sten, 28sten und 105ten Linienregimente, jedes aus 2 Bataillonen zusammengesetzt;
  • die 2 Brigaden von der Division des General Marcognet, bestehend aus dem 21sten, 46sten, 25sten und 45sten Linienregimente, ebenfalls jedes 2 Bataillone.

Auf der (französischen) linken Seite der Straße von Charleroi

  • die zweite Brigade der Division Donzelot, bestehend aus einem Theile des 19ten und des 51sten Linienregiments.

Diese sämmtlichen Truppen gehörten zum 1sten Armeecorps, welches der Generallieutenant Graf d’Erlon befehligte.

Französische Cavalerie

Die Brigade des General Roussel von der Division des Grafen von Valmy (Kellermann), bestehend aus dem 1sten und 2ten Carabinier-Regimente und aus dem 2ten und 3ten Cürassier-Regimente.

Die einzigen Batterien auf diesem Theile des Schlachtfeldes zu dem ausgewählten Zeitpunkt waren: die reitende Batterie des Oberstlieutenant Ross zur rechten der Straße von Charleroi, und Major Rogers Fuß-Batterie, so wie auch ein Theil von Capitain von Rettberg’s Hannoverscher Fußbatterie zur linken der Straße. 

Batterie Rettberg Batterie Rettberg Batterie Rettberg
Batterie Rettberg (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)
     
 Batterie Rogers  Batterie Rogers  
Batterie B Rogers im Zentrum (Bild 1 - Bild 2)   
     
 Batterie Ross  Batterie Ross  Batterie Ross
   Batterie C Ross rechts (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)

Die Stärke der Truppen, die auf dem Modell darstellt werden, war ungefähr folgende:

Infanterie   Cavalerie  
Englische 3,104 Britische 2,400
K. Deutsche Legion 1,139    
Hannoversche 805    
Französische 13,200 Französische 1,000

Die Disposition und die Bewegungen der beteiligten Truppen unmittelbar vor dem ausgewählten Momente der Action und während des Verlaufs dieser brillianten Affaire lassen sich am besten durch den folgenden Auszug aus der detaillierten Beschreibung darstellen, welche Capitaine Siborne in seinem neu erschienenen Werke: "Geschichte des Krieges in Frankreich und Belgien im Jahre 1815" gegeben hat [Diejenigen Theile des Auszuges, welche sich auf den für die Darstellung gewählten Moment unmittelbar beziehen, sind in anderer Schrift gedruckt].

Das gleichzeitige Vorrücken von Graf d’Erlon’s vier Divisionen Infanterie, die sich auf nahe an 18,000 Mann beliefen, war großartig und imposant. Als die Spitzen der Colonnen ihre Linien vor den Batterien entfalteten, welche längs des Kammes des dazwischen liegenden Hügels aufgestellt waren, und als sich die Punkte, auf welche ihr Angriff gerichtet werden sollte, vor ihrem Auge öffneten, stieg aus ihren Reihen der laute und wiederholte Ausruf empor: „Vive l’Empereur!“ welcher, als die Massen zu der äußeren Linie ihrer Stellung herabzusteigen begannen, vom Donner, aus 74 französischen Feuerschlünden über ihren Köpfen erstickt ward. Die Wirkung dieser Batterien auf Picton’s Division und Bylandt’s holländisch-belgische Brigade, welche, wie oben angegeben, am äußersten Ende der englisch-alliierten Schlachtordnung aufgestellt waren, wurde sehr empfindlich gefühlt. Leichte Truppen brachen nun von jeder Colonne vor und breiteten sich schnell in eine Linie von Vorposten aus, die sich über die ganze Länge des Thales erstreckte. Als Donzelot’s Division, die auf der Linken stand, sich La Haye Sainte näherte, bewegte sich eine ihrer Brigaden vorwärts, diese Meierei anzugreifen, während die andere fortfuhr rechts der Straße von Charleroi vorzurücken, und es war nicht lange vorher, als ein scharfes Musketenfeuer längs und um die Hecken des Obstgartens von La Haye Sainte herum den ersten Widerstand gegen Graf d’Erlon’s furchtbares Vordringen ankündigte. Kurz darauf begann ein vereinzeltes Feuern zwischen Hecken und Einfriedungen von Papelotte, La Haye und Smohain, welche von den NAssauischen Bataillonen unter Prinz Bernhard von Sachsen-Weimar besetzt waren. Die rechte Brigade von Durutte’s Division ward gegen die Truppen vorgeschickt, die diesen Umzäunungen vertheidigten, während die linke Brigade immer übder das Thal vorrückte, um Marcognet’s Division zu ihrer Linken zu unterstützen und zugleich diesen Angriff mit dem Vorrücken der letzteren gegen die Haupt-Frontlinie des alliierten rechten Flügels zu verbinden. [Das Terrain, auf welchem diese Trupen mit Einschluß von Durutte's Division aufgestellt waren, ist auf dem Modell nicht mit eingeschlossen.]

Die drei Colonnen des Centrums rückten ununterbrochen gegen die äußere Linie der alliierten Schlachtordnung vor. Die Natur des Terrains erlaubte noch immer das Spiel der französischen Batterien über ihren Köpfen und groß war die Verwüstung, die dieses Feuer unter Picton’s standhaften Reihen anrichtete. Als die Spitzen der Colonnen sich der Linie von Bylandt’s Brigaden näherten, wurde der Ausruf: Vive l’Empereur“ erneuert. Die vorgerückten Vorposten waren auf dem Punkte, ihr Feuer auf die Brigade zu eröffnen, um den folgenden Angriff der Colonnen vorzubereiten und ihnen stärkere Wirkung zu verschaffen, als die holländisch-belgischen Truppen, die schon einen bedeuteten Grad von Unruhe gezeigt hatten, einen eiligen Rückzug begannen, nicht teilweise nur, sondern allesammt und zugleich, so daß die Bewegung ganz den Anschein hatte, auf Commando-Wort erfolgt zu sein. Die Unordnung dieser Truppen nahm reißend überhand; doch als sie die ausgedehnte Hecke längs dem Ende der Stellung erreichten, machte man einen Versuch, sie mit dem 5ten Bataillon dr holländischen Miliz wieder zu vereinigen. Dieser Versuch aber schlug ungeachtet aller Anstrengungen von Seiten der Offiziere vollkommen fehl. Das Reserve-Bataillon und die Artilleristen von Capitain Bylandt’s Batterie, obschon sie den Strom für einen Augenblick aufzuhalten schienen, wurden dennoch durch seine schwache Stärke fortgerissen.

Als nun diese Truppen sich gänzlich zur Arriergarde zurückgezogen hatten und kein anderes Mittel übrig blieb den drohenden Sturm abzuwehren, als durch die Überbleibsel von Kempt’s und Pack’s Brigaden, welche das blutige Gefecht von Quatre-Bras ausgehalten hatten, so entwickelte Picton sofort seine Stärke und nahm die Miene eines ruhigen, aber steten Widerstandes an.Wen n man das Zahlen-Verhältnis und Angreifenden und der sich Vertheidigenden in Erwägung zieht, so war der Versuch, mit so ungleicher Zahl den vorrückenden Massen seines Feindes, den sein siegreicher Fortschritt ermuthigte, die Spitze zu bieten, ein gewagtes und kritisches Unternehmen. Jede Brigade bildete eine dünne, zwei Mann hohe Linie. Ihre Stärke betrug nicht mehr als etwa 3,000 Mann, während die französische Heeresmacht, die angreifenden Colonnen des Centrums allein, welche jetzt geradezu auf diese zwei Brigaden anrückten, aus beinahe 13,000 Mann bestanden. Übrigens hatte Pictonnicht die geringste Infanterie-Reserbve, von der er im günstigsten Falle hätte Unterstützung erwarten, oder auf die er sich im Falle des Unglücks lehnen konnte. Er liß sich jedoch durch die Annäherung starker Colonnen, so furchtbar sie auch ihrer Zahl nach scheinen mochten, durchaus nicht schrecken, da er ihnen mit einer tüchtig gebildeten englischen Linie entgegentreten konnte, obgleich sie nur zwei Mann hoch war und nur den vierten Theil von der Stärke das Feindes ausmachte. Zwar hatten fast alle Regimenter in Kempt’s und Pack’s Brigade die Hälfte ihrer Mannschaft in der Schlacht vom 16ten verloren; aber Picton wusste wohl, daß sie nicht ihren unerschrockenen Muth verloren, welcher sie unter seiner Führung auf jenem merkwürdigen Schlachtfeld unsterblich gemacht hatte. Hier hatte er sie sowohl in Linie, gegen starke Infanterie-Colonnen, als in Quarre’s gegen angreifende Cavalerie-Massen siegreich geführt. Was ollte nun cht bei solcher angeborenen Kraft, bei solcher trefflicher Disciplin auszuführen sein? Das volle Vertrauen, daß er in seine Mannschaft setzte, ward warm von dieser erwidert. Mit solch einem Führer würden sie freudig der ganzen französischen Armee, wenn diese in Masse gegen sie angezogen wäre, die Spitze geboten haben. Die Flucht der vom Schrecken gejagten Holländer und Belgier machte auf sie keinen anderen Eindruck, als daß sie ihren Spott und ihre Verachtung erregte.

Das 28ste, 32ste und 79ste Regiment von Kempt’s Brigade bildeten eine Linie in Parallel mit ungefähr 150 Schritte entfernt von der Hecke längs der Straße von Wavre, die rechte Seite an einen hohen Abhang gelehnt, an dem sich die Strße von Charleroi hinzieht, und das rechte Ende an einem Punkte rückwärts von der Strße von Wavre, der in einer kleinen Entfernung gegen den linken Hintergrund sich zu neigen anfängt. In ihrer rechten Fronte, gerade wo man die Durchschneidung der Straßen von Charleroi und Wavre sieht, stand das 1ste Bataillon Schützen vom 95sten Regimente; sie hatten zwei Compagnieen unter Major Leach in der Sandgrube. Ihr Oberbfehlshaber, Obrist Sir Andrew Barnard, und Oberstlieutenant Cameron, bewachten mit diesen vorgerückten Compagnieen die Bewegungen des Feindes. Pack’s Linie war links im Rücken von Kempt’s Brigade und ungefähr 450 Schritt von der Wavre-Straße entfernt. Ihre Linie lehnte sich an die Anhöhe zwischen dieser Straße und ein kleines Gebüsch in ihrem Rücken, das Centrum und die Rechte dagegen breitete sich über eine bedeutende Niederung aus, die sich an der rechten Seite des Gebüsches befindet. Die Fronte des Zwischenraumes zwischen den beiden Brigaden war nach dem Rückzug der Holländer und Belgier dem Feinde völlig ausgesetzt und ungedeckt.

Die im Centrum angreifende französische Colonne war in einer Direction vorgerückt, die an die hohe Straße anstieß und mit ihr parallel lief, bis die Vorposten vor ihrer Fronte plötzlich von den brittischen Schützen-Compagnieen, die in der Sandgrube augestellt waren, aufgehalten wurden, welcher Widerstand bis jetzt durch die Bildung des Terrains, verbunden mit der Höhe des dazwischen stehenden Kornes vor ihren Augen höchst glücklich verborgen geblieben war. Durch die Entdeckung dieses Widerstandes und durch die Erscheinung der „abatis“ auf der Hochstraße ward die Colonne bewogen sich rechts zu ziehen, um die Sandgrube freizumachen; und als die Vorposten in dieser Richtung vorwärts drangen, mußten die Compagnien vom 95sten Regiment sich zur anderen Compagnie zurückziehen, die längs der Hecke hinter der Sandgrube stand. Von dieser Hecke aus wurde nun von den englischen Schützen sowohl auf die Vorposten als auf die Colonne selbst ein so lebhaftes Feuer unterhalten, daß die letztere veranlasst ward, noch weiter rechts abzuschweifen, ganz außer ihrer ursprünglichen Richtung. Da jedoch der Rückzug der Bylandtschen Brigade jedes Hinderniß des Vorrückens der Colonne des feindlichen Centrums aus dem Wege geräumt hatte, so sahen die drei Compagnien vom 95sten Regimente die Vorposten bald in ihrer Flanke und zogen sich nach und nach zu ihrer Reserve zurück. Die leichten Compagnien der anderen Regimenter von Kempt’s Brigade, welche zum Plänkeln vorgerückt waren, zogen sich in gleicher Weise zurück, wie die Franzosen vorrückten. Mit der Absicht, die linke Flanke der angreifenden Macht zu decken und zugleich die Bewegungen mit denen auf der entgegengesetzten Seite der hohen Straße in Verbindung zu setzen, schickten die Franzosen eine starke Linie von Plänklern, oder vielmehr eine Masse, in den Zwischenraum zwischen dieser Straße und der linken Colonne des Centrums vor. 

Als nun die Colonnen sich rasch der Höhe der englisch-alliierten Stellung näherten, liess das Feuer des größeren Theils der Batterien längs der französischen Anhöhe, nämlich aller derjenigen, welche auf den angegriffenen Theil der Linie gefeuert hatten, allmählich nach. Der teilweisen Unterbrechung ihres Donners folgte sogleich der laute und wiederholte Ruf der Colonnen: „Vive l’Empereur!“ während in kurzen Pausen die freudige Aufmunterung erscholl „en evant! En evant!“ vermischt mit dem beständigen Lärm der Trommeln, die den „pas de charge“ schlugen. Die linke Colonne des Centrums rückte in einer Richtung vor, die sie in unmittelbarer Berührung mit der Rechten des 28sten Regiments un der Linken des 70sten Regiments Hochländer gebracht haben würde, und sie war bereits ungefähr 120 Schritt von der Hecke angelangt, welche die Straße von Wavre begrenzt, als Picton Kempt’s Brigade dicht an die Hecke vorrücken ließ, wo ihre leichten Compagnieen zu ihr stießen, die im Laufe zu ihr kamen, verfolgt von einigen der kühnsten französischen Plänkler, die jedoch schnell zurückgetrieben wurden. Plötzlich hielt die Colonne und begann eine Entwicklung zu ihrer Rechten, indem die Arriere-Bataillone sich rasch in Fronte aufstellten. Picton ersah den günstigen Augenblick und ließ die Brigade eine Salve auf die sich deployierende Masse zu feuern, und ihr kurzer aber voller und starker Schall war kaum erstorben, so hörte man seine Stimme laut rufen: „Zum Angriff! Zum Angriff! Hurrah!“ Antwortend mit einem ungeheuren Hurrah-Geschrei brachen seine ihm treu ergebenen Leute durch die nächste der zwei Hecken, welche die Straße von Wavre einschließen. Hierdurch wurde ihre Ordnung etwas unterbrochen, und indem sie sich durch die andere Hecke Weg machten, erhielten sie eine Salve von denjenigen ihrer Gegner, deren Fronte frei war. Die feindlichen Plänkler, welche vorher sich auf die Flanke der Colonne zurückgezogen hatten, stürzten sich sogleich vorwärts, und unterstützten durch ihr rasches und nahes Feuer den Versuch die unscheinende Unordnung in Kempt’s Brigade zu vermehren. Die Hochländer vom 79sten Regiment litten sehr und blieben beim Durchdringen durch die Hecke etwas zurück. Der Fähndrich (Birtwhistle), der die Regimentsfahne des 32sten Regiments trug, wurde schwer verwundet. Lieutenant Belcher, welcher die like Subdivision des Centrums commandirte, übernahm die Fahne von ihm. Im nächsten Augenblick wurde sie von einem französischem Officier genommen, dessen Pferd so eben unter ihm erschossen worden war. Ein Kampf entspann sich zwischen ihm und Lieutenant Belcher; aber während der erstere sein Schwert zu ziehen im Begriff stand, gab ihm der Fahnen-Sergeant (Namens Switzer) mit seiner Hellebarde einen Stoß in die Brust, und der Flügelmann der Subdivision (Namens Lacy) schoß auf ihn, gerade als der Major Tode, der das rechte Centrum der Subdivision commandirte, obgleich zu spät ausrief (denn der französische Officier fiel todt zu Lieutenant Belcher’s Füßen nieder): „Schont den braven Burschen!“ Der Aufschub im Vordringen über die Hecken war nur momentan, die Ordnung wurde schleunig wieder hergestellt; und dann stellte die Brigade dem Auge den herrlichen Anblick einer brittischen Linie Infanterie mit gefälltem Bajonnet im Angriffe dar.

Kavallerieangriff von PictonWährend dieses kurzen Kampfes geschah es, daß der ganzen brittischen Armee ein schwerer und unersetzlicher Schlag traf und die ganze Nation in Schmerz und Trauer um den Verlust eines Anführers versetzte, dessen glänzende Laufbahn ihre Bewunderung so sehr auf sich gezogen und dessen Thaten ihren Stolz so erhöht hatten. Der wahrhaft brave und edle Picton ward von einer Flintenkugel am rechten Schlafe getroffen.l SeinTod, der augenblicklich erfolgte, ward zuerst von Capitain Seymour, Adjutant des Earl von Uxbridge, bemerkt, von dem er in dem Augenblicke wünschte, er möchte die Hochländer wieder herzuführen. Capitain Seymour, dessen Pferd so eben fiel, rief sogleich dem Capitain Tyler, Picton’s Adjutanten, zu, der General sei verwundet, und im nächsten Augenblick wurde der leblose Körper des Helden unter dem Beistand eines gemeinen Soldaten des nächsten Regimentes von diesem Officier von seinem Schlachtrosse hinweg getragen. So fiel der treffliche Krieger, welcher schon als Führer der dritten oder „fechtenden“ Division im Kriege auf der spanischen Halbinsel, einen unvergänglichen Ruhm in der Geschichte der britischen Armee erlangt hatte. Wie sein Leben dem Schlachtenkampf seiner Nation gewidmet war, so war sein Tod ein Ende würdig seiner bewegten Laufbahn. Sein tapferer Geist ging hinüber unter dem Donner und Getöse des blutigen Streites, und seine Augen schlossen sich auf dem letzten Felde seines Ruhmes in demselben Augenblicke, als seine Truppen zum Siege vorrückten. [Welches edlere Beispiel von Patriotismus könnte aufgestellt werden, als die Thatsache, daß er, um seine Theilnahme an der großen Schlacht, die, wie er voraussah, stattfinden würde, vor jedermann den Umstand verbarg, daß er zu Quatre-Bras verwundet worden war! Es zeigte sich dann, daß die Haut auf der linken Seite gerade über der Hüfte sich zu einer hohen Blase erhoben hatte und mit einer Masse geronnenen Blutes unterlaufen war, ohne daß man eine Verletzung derselben bemerken konnte. Jedenfalls war dieß die Wirkung eines Streifschusses, der eine bedeutende Confusion verursacht hatte und die sehr dunkle Farbe der wunden Stelle bewies, daß die Verletzung vor dem 18. Juni geschehen sein musste. So war Picton, so streng seine Pflichttreue, so grenzenlos der Eifer für die Ehre seines Standes, so ungemessen seine Hingebung an die Sache seines Königs und seines Vaterlandes.]

Die französische Colonne, in der Mitte ihrer versuchten Evolution überrascht und durch den entscheidenden und kühnen Angriff der Kempt’schen Brigade erschreckt, schien wie von einem panischen Schrecken ergriffen, gerieth in unheilbare Verwirrung und floh in Eile vor ihren Verfolgern. Gerade als die britische Brigade den Abhang hinunter kam, wurde ihre Fronte theilweise von der rechten Seite von französischen Cürassieren gekreuzt, denen das 2te Regiment der englischen Leibgarde folgte; die ersteren stürzten unter ihre eigenen dichten Plänklerhaufen hinein, die sich niederwarfen, damit sowohl die Flüchtigen als die Verfolger über sie weg reiten konnten, und dann meistens wieder aufstanden, um auf die letzteren zu feuern. Allein obgleich der größere Theil der Cürassire sich kühn wieder gegen seine Gegner wendete, wobei verschiedene vereinzelte Handgefechte vorkamen, so ward doch das 2te Leibgarden-Regiment bald Meister, und nöthigte sie wieder die Flucht zu ergreifen; während die Schützen vom 95sten Regimente sich eiligst auf die in Unordnung gebrachte Masse der Infanterie warfen, durch welche jene Abtheilung der Cavalerie gegangen war und unter der die größte Verwirrung und Bestürzung herrschte. Vile flohen wild, sie wussten kaum wohin; andere ergaben sich selbst, und mehrere wurden gefangen genommen. 

95 Rifles 95 Rifles 95 Rifles
95th Rifles (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)

Auf ihrer rechten Seite wurde die Brigade durch das erste leichte Bataillon von des Königs deutscher Legion im Angriff unterstützt, welches zu diesem Zweck von der entgegengesetzten Seite der Straße herüberkam.

Unmittelbar nachdem es durch die Hecke gegangen, war die äußerste Linke des 28sten Regimentes unerwartet mit einer wohl formirten französischen Colonne, die noch gegen die Stellung der Alliierten vorrückte, beinahe in Berührung gekommen. Der rechte Flügel des Regiments war zu sehr mit der Colonne vor sich beschäftigt, als daß es ihm erlaubt gewesen wäre, seine Aufmerksamkeit auf einen anderen Punkt zu richten; aber der linke Flügel, dessen Fronte freier war, machte eine kühne Schwenkung, wodurch er sich vom rechten Flügel trennte, und feuerte auf die linke Flanke der vorrückenden Colonne in demselben Moment, als die Spitze der letzteren von dem rechten Regimente (königl.) von Ponsonby’s Brigade der schweren Cavalerie angegriffen wurde. Da Kempt sich überzeugte, die Franzosen werden ihren Angriff längs der Linie zu seiner Linken fortsetzten, und daß demgemäß diese Flanke sehr blos gestellt sein würde; da er ferner keinerlei Unterstützung durch Infanterie oder eine Reserve hatte, sah er sich genöthigt, seine Truppen von weiterer Verfolgung abzuhalten und befahl der Brigade zu halten und sich in Ordnung aufzustellen. Jedoch der linke Flügel des 28sten Regiments, der seine Aufmerksamkeit ganz auf die vom königl. Schweren Cavalerie-Regimente angegriffene Colonne gerichtet hatte, folgte den Dragonern in einiger Entfernun den Abhang hinab und half ihnen eine große Menge Gefangener in Sicherheit zu bringen, worauf er zurückging und sich wieder mit dem rechten Flügel des Regiments vereinigte. Die Schützen vom 95sten rückten beständig vor und trieben die französischen Vorposten vor sich her über den Hügel bei der Sandgrube.


Von diesem äußerst tapferen und entscheidenden Angriff der Kempt’schen Brigade müssen wir zur Beschreibung der nicht weniger glänzenden Angriffe übergehen, welche sowohl von Somerset’s als von Ponsonby’s Cavalerie-Brigade ausgeführt wurden. Doch zum leichteren Verständnis dieses Theiles der Action wird es nöthig sein, zuerst zu dem Angriff und der Vertheidigung von La Haye Sainte zurückzukehren.

Die französischen Vorposten von der linken Brigade von Donzelot’s Division rückten kühn und entschlossen gegen den Obstgarten von La Haye Saint an. Der erste Schuß riß den Zügel von Major Baring’s Pferde knapp an seiner Hand weg und der zweite tödtete den Major Bösewiel, den nächsten Befehlshaber. Die 3 Compagnien des 2ten leichten Bataillons von des Königs deutscher Legion, welche, wie eben gesagt, im Obstgarten aufgestellt waren, zugleich mit 2 Compagnien des ersten leichten Bataillons von der deutschen Legion unter den Capitains Wynecken und von Goeben, und einer Compagnie hannoverscher Schützen unter Major von Spörken, die auf der rechten Seite der Meierei standen, leisteten dem Feinde einen tapferen Widerstand; doch der letztere drang mit überlegener Macht vor und da das Hauptcorps der französischen Brigade zwei Angriffs-Colonnen gebildet hatte, welche rasch vordrangen, eine in den Obstgarten, die andere gegen die Gebäude, so zog sich Major Baring bis an die Scheune zurück. In diesem Augenblicke erreichte Oberst von Klencke mit dem Feldbataillon Lüneburg die Meierei, welches Bataillon von Wellington bei Wahrnehmung des Vordringens der Franzosen vom linken Flügel der Kielmannsegg’schen Brigade detachirt hatte, die Truppen von La Haye Sainte zu verstärken. Baring suchte sogleich den Obstgarten wieder zu gewinnen und hatte bereits den Feind zurückgetrieben, als er eine starke Linie Kürassiere an der rechten Fronte der Einzäunung sich aufstellen sah. Zugleich kam Lieutenant Meyer mit dem Rapport, daß der Feind den Garten umzingelt hae, in welchem seine Compagnie aufgestellt sei, und daß derselbe sich nicht länger behaupten lasse. Baring befahl ihm, sich in die Gebäude zu werfen und sie vertheidigen zu helfen. Die Vorposten zur Rechten rannen bei dem plötzlichen Erscheinen der Cavalerie nach dem Obstgarten, um sich dort wieder zu versammeln; allein durch das Zusammentreffen mit den neu angekommenen Hannoveranern kamen die etzteren in Unordnung, und der Eindruck, den der Anblick der anrückenden Cavalerie, so wie das Kriegsgeschrei der französischen Infanterie, als sie vom Garten in ihrem Rücken Besitz nahmen, war so groß, daß diese ganze Truppenmasse ungeachtet aller Anstrengungen Barings, diese Leute zum Halten zu bringen und sie wieder zu sammeln, ohne Unterschied die Flucht nach der Hauptstellung der alliierten Armee ergriffen, worin sie, wie es schien, die einzige Möglichkeit ihrer Rettung zu erblicken glaubten. Aber sie wurden schnell enttäuscht. Die Cavalerie überholte sie inmitten ihres verworrenen Rückzuges, überritten sie, hieben sie nieder und zerstreuten den Rest, während sie, was die Größe ihres Verlustes nur noch vermehrte, nachdem die Cavalerie weitergezogen, einem Flankenfeuer von der feindlichen Infanterie von der Hecke des Gartens ausgesetzt waren. Ein Theil von ihnen erreichte glücklich das Hauptcorps, während der Rest sich in die Gebäude warf und die kleine Garnison unter den Lieutenants Carey und Gräme und Fähndrich Frank verstärkte, welche mit Muth und Erfolg den Besitz trotz der heftigen Angriffe von Seiten der leichten französischen Truppen behauptete. Das Hannoversche Bataillon litt indeß bedeutend, viele waren getödtet und verwundet, unter den letzteren der commandirende Offizier, Oberstlieutenant von Klencke, und unter den Gefangenen war Major v. Dachenhausen. Einige der Entkommenen retteten sich durch eiligste Flucht nach der hohen Straße. Die Wenigen, die man während des Restes vom Tage wieder zusammengebracht hatte, bildeten nur einen sehr unbedeutenden Theil der ursprünglichen Stärke des Bataillons.

La Haye Sainte La Haye Sainte La Haye Sainte
La Haye Sainte La Haye Sainte La Haye Sainte
Kampf um La Haye Sainte
(Bild 1 - Bild 2 - Bild 3 - Bild 4 - Bild 5 - Bild 6)

Als der Earl v. Uxbridge das Vorrücken der französischen Cavalerie bei La Haye Sainte auf der (britischen) rechten Seite der Charleroi-Straße (derselben, die, wie wir bemerkten, das Hannoversche Bataillon und Baring’s Vorposten von der Legion zerstreut hatte), so wie die Annäherung der Infanterie-Colonnen bemerkte, welche den Angriff auf den alliierten linken Flügel auf der entgegengesetzten Seite der Straße formirten, entschied er sich für einen gemeinschaftlichen Angriff der schweren Cavalerie-Brigaden des Lord Eduard Somerset und Sir William Ponsonby, die ersten auf die feindliche Cavalerie, die letztere gegen die Infanteriemassen. Kaum war der Entschluß gefasst, als er auch zur Ausführung desselben schritt; er ritt zu Lord Somerset und befahl ihm, die Linie zu formiren und die „Blauene“ (Leibgarde) in Reserve zu halten, und nach Ponsonby’s Brigade auf der entgegengesetzten Seite der Hochstraße galoppirend, befahl er diesem Offizier, in Linie zu schwenken, sobald er die andere Brigade das Nämliche thun sähe, und die schottischen Grauen (Dragoner) in Reserve zu halten. Dann kehrte er zurück und setzte sofort die ganze Masse in Bewegung.

Da dies der erste Angriff war, den die Franzosen an diesem Tage auf offenem Felde machten, so brannte Lord Uxbridge vor Begierde, die überlegene Tapferkeit der britischen Cavalerie im Kampfe mit ihnen, wenn möglich, zu zeigen und diesen Vertrauen, so wie ihren Gegnern Respekt einzuflößen. Um den Muth und Enthusiasmus seiner Truppen zu erhöhen, führte er in Person die Avantgarde an, die Fronte des linken Flügels von Somerset’s Brigade, um ungefähr in der Mitte der Linie zu sein, wenn die Brigaden bei ihrem Vorrücken in Front der alliierten Stellung sich vereinigen würden. Edel und getreu erfüllten diese braven Dragoner seine Wünsche und Erwartungen.

Für den Zweck, seinen Cavallerie-Angriffen wirksame Unterstützung zu sichern, hatte Lord Uxbridge vor Anfang der Schlacht den Generalen der Brigade angedeutet, daß er, da er nicht überll gegenwärtig sein könne, um Befehle zu erteilen, erwarte, sie werden es stets auf sich nehmen, mit den Angriffs-Bewegungen in ihrer Fronte im Einverständnis zu handeln und sie zu unterstützen; und da er auf diese Weise leichte Cavalerie-Brigaden auf jeder Flanke der angreifenden Macht hatte, fühlte er sich völlig gerechtfertigt, indem er sich selbst an die Spitze der Linie stellte, besonders da er jede der vorrückenden Brigaden auf ihre unmittelbare Unterstützung gewiesen hatte. Obgleich durch Ergreifung dieser Vorsichtsmaßregeln sehr beschönigt, war diese Handlung von Seiten des Commandeurs der ganzen Cavalerie einer Armee wohl nicht eine ganz kluge zu nennen; denn bei dem Angriff einer ausgedehnten Linie von Cavalerie auf einen so nahen Feind wird der Anführer, wenn der Anlauf einmal begonnen ist, so vollständig mit der Linie selbst vermischt, daß sein persönliches kräftiges Commando plötzlich auf das eines Officiers von der Schwadron sich beschränken muß, während er, wenn er eine zweite Linie begleitet, stets im Stande ist, den Angriff zurückzuziehen, oder zu verstärken, je nachdem es die Umstände erfordern. Sein lebhaftes Verlangen jedoch, diesen ersten Angriff zu einer glänzenden Affaire zu machen, verbunden mit seinem ritterlichen Charakter, verleiteten ihn, die Stelle der Ehre und der Gefahr einzunehmen, um durch sein Beispiel als das eines kühnen und entschlossenen Kriegers die Mannschaft animiren. Zugleich vertraute er auf die Disposition, die er bereits gemacht, und auf die Aufmerksamkeit seines Brigadiers auf die nöthige Unterstützung seines Angriffes, welche jedoch in Folge von zufälligen Umständen, wie aus dem Folgenden hervorgehen wird, nicht zu dem Momente erschien, wo sie dringend nothwendig ward.

Die französische Cavalerie-Linie bot, als sie vorrückte, einen imponirenden Anblick dar. Diese Veteranen im Kriegsdienst trugen das Ansehen eines stolzen Vertrauens auf ihre Überlegenheit und der Gewissheit ihres Sieges, verbunden mit einer gewissen Freudigkeit, die ihnen ohne Zweifel die Erwägung einflößte, daß sie daran waren, mit ihren unversöhnlichen Feinden, den Engländern, zusammenzutreffen und sie zu schlagen. Ihr Vorrücken, gleich dem der Infanterie zu ihrer Rechten, war bis zu einem gewissen Grade siegreich gewesen; und da die Flucht der Holländer und Belgier die Infanterie zu der Einbildung verleitet hatte, der Sieg sei schon in der Hand, so wurde die Zerstreuung der Hannoveraner von diesen Dragonern schon als ein glückliches Vorspiel ihres großen Angriffs begrüßt. Sie hatten nun die Spitze der Anhöhe erstiegen, auf welcher die lliierte Infanterie aufgestellt war, bereit zu ihrem Empfang. Ein lebhaftes Feuer wurde auf sie aus vier Kanonen von Roß’s reitender Batterie auf der rechten Seite der Hochstraße eröffnet, so wie auch von Lloyd’s britischer Fuß-Batterie noch weiter rechts; doch wenige Minuten reichten hin, ihre Ordnung wiederherzustellen; im nächsten Augenblicke bliesen ihre Trompeten zum  Angriff, während diese tapfere Linie unter dem Rufe "Vive l’Empereur!" blitzend in dem Glanze, den ihre polirten Helme und Kürasse zurückwarfen, zum Angriff stürzten. Auf der anderen Seite war die englische Leibgarden-Brigade, eine schöne Linie, von einem gleichen Enthusiasmus beseelt, bereits in vollem Angriffe, und als die Kürassire den Quarres nahe kamen und von ihrer Fronte eine Salve erhielten, stürzten sich beide Heere mit einer unbeschreiblichen Wuth auf einander. Der Zusammenstoß war fürchterlich. Und die Kürassieren, deren Säbel viel länger und deren Körper in Stahl gehüllt, während die der Engländer ohne solche Vertheidigungsmittel waren, schienen auf einen Augenblick sich zwischen die Pferde ihrer wüthenden Gegener drängen zu wollen. Die Schwerter glänzten hoch in der Luft mit der Schnelligkeit des Blitzes, bald heftig an einander rasselnd, bald dröhnend auf den widerstrebenden Rüstungen, während sich mit dem Getöse des Handgemenges das Geschrei und Stöhnen der Kämpfenden mischte. Im vergeblichen Kampfe um die Oberhand fielen Reiter unter tödlichen Stichen oder sicher treffendem Hieb. Pferde, ins Gewühl oder zurückstürzend, taumelten zur Erde nieder, oder brachen wild aus ihren Reihen. Doch so verzweifelt und blutig, so kurz war der Kampf. Die physische Überlegenheit der Engländer, unterstützt durch die ungeheuerste Tapferkeit, machte sich bald geltend, und die Kürassiere wurden, ungeachtet ihrer höchst tapfern und entschlossenen Gegenwahr vom Hügel herabgetrieben, den sie nur wenige Minuten zuvor mit allen dem Stolz und Vertrauen von Männern, die gewohnt und entschlossen sind, jeden Widerstand zu überwinden, erstiegen hatte. Dieses erste Zusammentreffen im Angriffe bereitete sich jedoch nicht auf die ganze Linie der Kämpfenden aus. Somerset’s Linie stand nicht parallel mit der der Kürassiere, und da der rechte Flügel der ersteren etwas vorwärts gezogen war, so kam dieser zuerst mit dem Feinde in Berührung und das Zusammentreffen erfolgte wegen der Schnelligkeit des Angriffes von beiden Seiten ohne Unterbrechung in der Richtung der alliierten Linken, bis die weitere Fortsetzung desselben durch eine naürliche Hemmung aufgehalten ward, die in dem Hohlwege bestand, durch welchen der Kreuzweg in die Straße von Charleroi führt. Die Kürassiere auf der rechten Seite der französischen Linie wurden plötzlich in ihrer Eile aufgehalten, als sie unerwartet an diesem Hohlweg kamen, in den sie natürlich in Unordnung hinabstiegen, und als sie begannen, ihre Pferde an der anderen Seite hinauf zu zwingen, erblickten sie das 2te Regiment der britischen Leibgarde, das den linken Flügel von Somerset’s Brigade bildete, in voller Eile ihnen entgegenstürzend. Jede Idee von Widerstand ward in einer solchen Lage als hoffnungslos aufgegeben. Sie zogen sofort den Hohlweg rechts hinab und schlugen sich über die Charleroi-Straße hinweg auf das Feld in Fronte der Schützen vom 95sten Regimente, und verfolgt von dem 2ten Leibgarde-Regimente, die in derselben Unordnung waren, indem sie ihren Weg, so gut sie konnten, den jähen Abhang hinab, suchen mussten welcher an den Durchschnitt der zwei Straßen stößt. Diese Kürassiere, nachdem sie sich unter die Vordertreffen der französischen Infanterie gestürzt hatten, versammelten sich dicht und in Unordnung in dieser Umgebung, zügelten ihre Rosse, machten gegen Ihre Verfolger Fronte und ließen sich mit ihnen Mann für Mann in Handgemenge ein. [Unter den Kämpfenden auf diesem Theile des Feldes war Einer, dessen Tapferkeit ihm große Ehre erwarb. Dies war Corporal Shaw vom 2ten Garde-Regiment, ein berühmter Faustkämpfer, der eine große physische Stärke besaß, verbunden mit der muthvollsten Entschlossenheit. Als er mitten unter den Kürassieren war, machte er sich durch die Kühnheit und das Geschick bemerkbar, womit er auf Alle losging, die ihm in den Weg kamen. Rasch und tödlich waren die Hiebe, die er rings um sich austheilte, und man sagt, daß er in unglaublich kurzer Zeit neun seiner Gegner niederstreckte. Seinem Siegeslauf ward aber schnell ein Ende gemacht. Ein Kürassier, der ein wenig vorgedrungen war, als wollte er nach der Linken des zweiten Garde-Regiments, kehrte um, nahm Shaw mit seinem Karabiner scharf auf's Korn und beraubte ihn des Lebens, welches sein mächtiger Arm und seine tapfere Kühnheit gegen die Schwerter Aller, die sich ihm näherten, behauptet hatte.] Doch wurde ihnen ihre Schwäche in dieser Art des Kampfes bald fühlbar und sie ergaben sich entweder den Siegern oder sie flohen eiligst, während zu derselben Zeit Kempt’s Brigade am unteren Ende der alliierten Stellung einen glorreichen Angriff machte und sich auf die Infanterie warf, unter welche sich die Reiter auf die vorher beschriebene Weise gemischt hatten. 

Angriff der Kavallerie unter Somerset Angriff der Kavallerie unter Somerset Angriff der Kavallerie unter Somerset
Angriff von Somerset (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)

Kaum hatte Ponsonby die Garde-Cavalerie in Bewegung erblickt, als er in Folge der erhaltenen Befehle seine eigene Brigade vorführte; da er jedoch nicht hinreichend vom Stande der Affaire auf der entgegengesetzten Seite der Wavre-Streße überzeugt war, und nicht wünschte mit seiner Linie gegen die feindlichen Massen zu avanciren, bis der günstige Augenblick gekommen wäre, befahl er einen Augenblick Halt, und ritt nach der Hecke, um sich durch persönliche Beobachtung der rechten Zeit zum Angriff zu versichern. Er wurde von Capitain Muter begleitet, der die Inniskillings-Dragoner befehligte, dessen Rückkehr er aber wünschte um sich an die Spitze der Schwadron des Centrums zu stellen un die Bewegung anzuordnen und zu leiten, in dem Augenblicke, wenn er ihm durch Emporhalten seines Hutes das Zeichen dazu geben würde. Es ist nöthig zu bemerken, daß die schottischen Dragoner (Greys), welche kurz vor diesem Vorrücken im Hintertreffen standen, wohin gerade das feindliche Flankenfeuer nach dem Übergang über den Hügel in Front in rascher Folge herabkam und einigen Verlust in ihren Reihen verursachte, nach einem etwas tieferen Terrain, im linken Hintergrunde der 2 andren Regimenter beordert worden waren, welche neue Stellung sie kaum eingenommen hatten, als die letzteren vorgerückt waren, wie oben gesagt, und die Dragoner (Greys) schlossen sich sofort dieser Bewegung an.


 

Während des Vorrückens der französischen Division Alix (der 1sten) bewegte sich ihre Arriere-Brigade, welche aus dem 54sten und 55sten Regimente bestand, rechts, rückte in Masse vor und formirte zwei Colonnen, jede von zwei Bataillonen, als Reserve, en echelon der Hauptbrigade, die aus dem 28sten und 105ten Regimente bestand. In gleicher Weise theilte sich die Arriere-Brigade von Marcognet’s Division (der 3ten), welche aus dem 21sten und 46sten Regimente bestand, in zwei Colonnen, jede von zwei Bataillonen, als Reserve, en echelon, doch mehr unmittelbar hinter der Hauptbrigade, die aus dem 25sten und 45sten Regimente bestand.

Während Kempt’s Brigade tapfer unten am Abhange angriff, besetzten die Spitzen der Hauptbrigaden von Alix’s und Marcognet’s Division mit augenscheinlicher Tapferkeit und unter lautem Siegesgeschrei die Höhe der Position der Alliierten zur Linken, indem sie über die Wavre-Straße und die dort sich ausbreitende Hecke gingen, wobei ihre Ordnung einigermaßen gestört worden war. Alix’s Brigade, nachdem sie frei vor Kempt’s linkem Flügel vorübergegangen war, stand keine feindliche Infanterie in ihrer Fronte; aber die Spitze von Marcognet’s Colonne sah, nachdem sie nahe zur Rechten der Hannoverschen Fußbatterie unter Capitain v. Rettberg vorbeipassiert war, von welcher sie ein sehr wirksames Feuer während ihres Vorrückens empfangen hatte, Pack’s Brigade ihr entgegenkommen. Die drei schottischen Regimenter, das 1ste königliche, des 42ste und 92ste Hochländer, bewegten sich unter dem ermunternden Klang ihrer heimischen „Pibroch“ ruhig vorwärts mit der edlen Miene und der tapferen Haltung von Männern, die verbunden sind, die Ehre und den Ruhm ihres Vaterlandes um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Das 44ste Regiment, das den linken Flügel der Brigade bildete und dessen Fronte durch Best’s Hannoveraner gedeckt ward, blieb in Reserve auf der Höhe unmittelbar über und zur Linken der Niederung, in welcher der Rest der Brigade aufgestellt war. Derjenige Theil der französischen Colonne, welcher zu dieser Zeit über die Hecke gegangen, war in der besten Ordnung und zeigte eine kühne und entschlossene Fronte. Er war dem 42sten und 92stenh Regimente entgegengestellt, doch vorzüglich dem letzteren. Als die Brigade sich der Colonne näherte, erhielt sie von ihr ein Feuer, welches sie jedoch nicht erwiderte, sondern ruhig vorrückte, bis sie eine Entfernung von 60-100 Schritten erreicht hatte, während das 92ste und 42ste Regiment Hochländer, die mehr in Front der Colonne standen, auf die Masse ein dichtes Feuer richteten, das höchst verderblich in seiner Wirkung war. Die Franzosen wurden durch diesen Anfall wankend gemacht, sammelten sich aber schnell wieder und begannen auf das Feuer ihrer Gegner mit großer Lebhaftigkeit zu antworten, während die Letzteren Befehl zum Angriff erhielten; doch in demselben Augenblicke kam Ponsonby’s Brigade heran. Oberst Muter befahl und leitete das Vorrücken der Brigade sogleich al er das Zeichen des erhabenen Hutes gesehen hatte. [Dies Zeichen wurde nicht vo Sir W. Ponsonby selbst gegeben, sondern von seinem Adjutanten, Capitain Ewans (jetzt Oberst Sir de Lacy Ewans, Generallieutenant in spanischen Diensten). Der Erstere hatte ein gemeines, unabgerichtetes Pferd bestiegen, das zurückblieb und durch das Feuer und den Lärm scheu ward, der gerade herrschte, als der General das Vorrücken der Brigad beschloß. Sein Mantel, der aufgegangen war, flog weg, und der stieg einen Augenblick ab, um ihn wiederzuholen, und während er damit beschäftigt war, ertheilte er dem Capitain Ewans Befehl, jedes Zeichen zu geben.]

Man wird sich erinnern, daß die schottischen Dragoner (Greys) befehligt worden waren, die Königlichen und Inniskillings zu unterstützen; doch da sie sich, wie oben auseinandergesetzt ward, in das niedere Terrain zur Linken bewegt hatten, um mehr Schutz vor den feindlichen Kanonen zu gewinnen, und nachher im linken Nachtrab von jenen zwei Regimentern vorgerückt waren, erblickten sie direct in ihrer Fronte die Spitze von Marcognet’s Division, die sich auf der Höhe aufstellte. Ihr Lauf war von diesem Augenblicke an entschieden. Sie standen bald in Linie oder doch nahe so mit dem übrigen Theil der Brigade und nahmen an dem allgemeinen Angriff Theil. Als Ponsonby’s Brigad mit der Infanterie zusammentraf, ging sie durch diese so gut und schnell, als sie konnte, hindurch; bisweilen wurden durch Schwenkung der Compagnien Zwischenräume für die Dragoner gemacht, andremale durch Schwenkungeb von Subdivisionen oder Sectionen; im Allgemeinen aber wurde der Durchgang auf eine ziemlich unregelmäßige Weise bewerkstelligt, und unter den obwaltenden Umständen war dies unvermeidlich. 

Als die schottischen Dragoner (Greys) durchzogen und unter die Hochländer kamen, war der Enthusiasmus beidr Corps außerordentlich. Sie jauchzten sich gegenseitig zu. „Schottland für immer!“ war ihr Kriegsgeschrei. Der Rauch, in welchen die französische Colonne gehüllt war, hatte sich noch nicht verzogen, als die Greys sich auf die Masse stürzten. Das Verlangen der Hochländer, und ihr Entschluß, ihren Landsleuten in der Vollendung des so rühmlich begonnenen Werkes beizustehen, war so lebhaft und stark, daß man ihrer Viele sah, die sich an den Steigbügeln der Reiter hielten, während Alle vorwärts stürzten und keinen im Nachtrab zurückließen als die zum Kampf unfähig gewordenen. Der Haupttheil der Colonne gab dem wüthenden Angriffe bald nach; der Rest, welcher noch im Begriff war, den äußeren Abhang zu ersteigen, erschrak über das plötzliche Erscheinen der Cavalerie in einem Augenblicke, als sie, nach dem Musketenfeuer in Front zu schließen, natürlich erwartete, sie würden es nur mit Infanterie zu thun haben; und so wurden sie durch den heftigen Angriff in Unordnung zurückgeworfen. Die Dragoner, die den Vortheil des abfallenden Terrains vor sich hatten, schienen die Masse nieder zu mähen, die unter dem Druck sich krümmend, nach allen Seiten hin sich zerstreute. Dennoch waren unter dieser Masse viele tapfere Seelen, die nicht ohne Kampf zum Weichen gebracht werden konnten, und diese fochten tapfer bis in den Tod. Sie dienten nicht dazu, den Lauf des reißenden Stromes aufzuhalten, sondern nur, ihn deutlicher zu markieren, wie er wild hinter ihnen herzog und dem Auge des künstlerischen Beobachters diejenigen Streifen darstellte, welche in Folge solcher theilweiser und persönlicher Kämpfe die Spur eines Cavalerie-Angriffes gewöhnlich bezeichnen. Auch wurde unter jener Masse der kaiserliche Adler des 45sten Regimentes getragen, der auf seinem Banners stolz die Namen von Jena, Austerlitz, Wagram, Eßling und Friedland entfaltete – Schlachtfelder, auf denen sich dieses Regiment mit Ruhm bedeckt und vorzugsweise den Namen der „Unüberwindlichen“ errungen hatte. [Dieser Adler ziert jetzt die Kapelle des Chelsea Hospital.]  Ein treuergebener Haufe umschloß diese geheiligte Fahne, welche die Aufmerksamkeit und den Ehrgeiz eines kühnen und waghalsigen Soldaten, Namens Edward, Sergeant der Dragoner, auf sich zog. Nach einem verzeifelten Kampf, bei welchem er große Körperstärkeund eine außerordentliche Gewandheit entwickelte, gelang es ihm, die theure Trophäe an sich zu reißen. Der tapfere Mann erhielt Befehl, mit ihr nach Brüssel zu gehen, wo er mit Beifallsrufen von Tausenden empfangen ward, die ihn so bewillkommnen und ihm Glück zu wünschen kamen. [Zu Anfange des folgenden Jahres wurde Sergeant Edward zu Fähnrich in dem 3ten königlichen Veteranen Bataillon avancirt.]

Angriff der Scots Greys Angriff der Scots Greys Angriff der Scots Greys
Angriff der Scots Greys (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)

Ohne einen Augenblick sich mit der Wiederaufstellung in Reihe und Glied aufzuhalten, stürzten sich diejenigen der schottischen Dragoner, welche ihren Weg durch die Masse oder auf ihren beiden Flanken erzwungen hatten, kühn vorwärts auf die Haupt-Reservecolonne von Marcognet’s rechter Brigade. Dieses Corps, in Staunen versunken über die Schnelligkeit und Wildheit des Angriffs und seine fürchterliche Wirkung auf ihre Landsleute auf dem höheren Terrain in ihrer Flanke, hatte entweder nicht die wenigen dazwischen liegenden Augenblicke benutzt, sich auf einen erfolgreichen Widerstand gegen die Cavalerie vorzubereiten, oder wenn sie die nöthige Formirung versuchte, that sie es erst, wenn zu ihrer Vollendung nicht mehr Zeit genug war. Ihre äußeren Glieder eröffneten zwar ein Feuer, welches sich für die Angreifenden sehr nachhaltig erwies; allein die Gewalt des Angriffes hatte sich durch die wachsende Schnelligkeit des Herabstürzens von der Anhöhe so verstärkt, daß die braven Dragoner weder die Macht noch den Willen besaßen, ihrer Eile Einhalt zu thun, und so fielen sie auf die Masse mit einer Kraft, die geradezu unwiderstehlich war. Nachdem die ersten Glieder derselben mit unaufhaltsamer Gewalt zurückgetrieben waren, wankte die ganze Colonne einen Augenblick, und sank dann unter der übermächtigen Woge. Hunderte wurden niedergeworfen, um nicht mehr aufzustehen, und Hunderte erhoben sich wieder, nur um sich den Siegern zu ergeben, die ihre Gefangene eilig zu de Nachtrab brachten, während die Hochländer sich derjenigen versicherten, die sie unter der Hauptcolonne gemacht hatten.

Längs der übrigen Linie war der Angriff der Union-Brigade ebenfalls glänzend und erfolgreich. Zur rechten Hand rückten die königlichen Dragoner, indem sie sich während des Vorrückens ein wenig links wendeten, mit der Schwadron ihres Centrums gegen die Spitze der Hauptcolonne von Alix’s Division vor, welche über die Hecken an der Wavre-Straße gegangen war, und, da sie nicht aufgehalten ward, schleunig über den Kamm der Anhöhe vorrückte. Ihr lautes Siegesgeschrei hörte plötzlich auf, als sie die Annäherung von Cavalerie am inneren Abhang der Stellung der Alliierten wahrnahmen. Es ist schwer zu entscheiden, ob im Bewusstsein der Gefahr, die bei dem Durchgang durch die aufgedämmten Hecken durch die natürlich erfolgte Unordnung in ihrem Nachtrab entstanden war, oder der Gefahr, inmitten eines Versuchs, sich für den Zweck eines wirksamen Widerstandes besser zu formiren, oder in Folge ihrer Abschneidung von aller Unterstützung dieser Zustand eintrat; doch schien die Spitze dieser Colonne in der That von einem panischen Schrecken ergriffen zu sein. Nachdem sie ein unregelmäßiges und unterbrochenes Feuer eröffnet hatte, was nichts weiter bewirkte, als etwa 20 Dragoner niederzuwerfen, schwenkte sie sich schnell und versuchte die entgegengesetzte Seite der Hecke zu gewinnen. Die Garden aber hieben auf sie ein, ehe sie dieses Ziel zu erreichen im Stande waren. Die hinteren Glieder der Colonne drängten noch vorwärts und ohne von der Stockung in der Fronte zu wissen, trafen sie nun auf die, welche auf sie zurückgeworfen wurden, den äußeren Abhang hinunter, durch den Angriff der Garden, die unaufhaltsam sowohl gegen die Fronte als gegen die Flanken der Massen vorwärts drücken. Das Ganze war in einem Augenblicke so zusammengeklemmt, daß sie vollkommen rettungslos wurden. Die Leute versuchten vergeblich ihre Gewehre zu gebrauchen, die ihnen entweder aus der Hand gestoßen oder durch Zufall losgegangen waren. Allmählig löste eine ausgebreitete Flucht vom Nachtrab die nun lenkbare Masse auf, welche nun hülflos den Abhang hinabrollte. Viele Tapfere, die bisher mitten im Gedränge eingesperrt waren, schienen geneigt eine Vertheidigung zu wagen, und unter diesen richteten die Schwerter der Garde eine fürchterliche Verwüstung an;  Viele streckten die Waffen und ergaben sich in verzweiflung und diese wurden von den Siegern zur Nachhut der britischen Linie eiligst gebracht.

Das 28ste französische Regiment, welches dem 105ten [Diese beiden Regimenter, jedes aus 2 Bataillonen bestehend, bildeten die Brigade von Alix's Division unter dem Commando des Generals Quiot] sofortigen Beistand leistete, obgleich erstaunt über die Scene vor ihm und beinahe von den erschrockenen Flüchtlingen zurückgetrieben, erhielten sich doch noch einen Anschein von guter Ordnung. Unter dem Haufen, der sich nun auf die Reserve-Colonne warf, um Schutz bei ihr zu suchen, trug ein Officier den Adler des 105ten Regiments. Diese Fahne, mit welcher das Corps von der Kaiserin Marie Louise beschenkt worden war, war in dem Augenblick von einer Abtheilung begleitet, die eine Wache zu ihrer Vertheidigung zu bilden schien. Capitain Clark, der die Schwadrone des Centrums der Garden commandirte, gab, als er die Gruppe erblickte, augenblicklich das Commando: “Rechts um, vorwärts! Die Fahne angegriffen!“ und führte sie direct auf den Adler los. Als er ihn erreichte, rannte er sein Schwert dem Fahnenträger durch den Leib, der augenblicklich fiel, und der Adler sank über den Kopf von Capitain Clark’s Pferd. Er versuchte ihn mit seiner linken Hand aufzufangen, konnte aber nur die Fransen der Fahne erreichen, und wahrscheinlich würde sie zur Erde gefallen sein und in der Verwirrung des Augenblicks verloren gegangen sein, wäre sie nicht durch Corporal Stiles gerettet worden, der die Fahne zu decken gehabt hatte und deshalb unmittelbar hinter dem Führer der Schwadron stand, jetzt aber sofort zur Linken des Capitain Clark vorkam und den Adler auffing, als er in seinem Fallen auf den Hals des Pferdes vom Corporal aufschlug. [Als Belohnung für diesen ausgezeichneten Dienst hat Oberstlieutenant Clark nachher den Bath-Orden erhalten. Als er den Adler von Corporal Stiles erhielt, versuchte er vergeblich ihn von seiner Stange abzubrechen, mit der Absicht, ihn auf seiner Brust zu befestigen, um ihn zu sichern, so lange er inmitten der feindlichen Truppen war. Als Corporal Stiles dieß sah, sagte er: „Ich bitte, zerbrechen Sie ihn nicht!“ worauf Oberst Clark erwiderte: „Gut, bringen Sie ihn zum Nachtrab, so schnell Sie können; er gehört mir.“ Dieser Adler ist ebenfalls im Chelsea-Hospital niedergelegt. Corporal Stiles wurde im folgenden Jahr zum Fähndrich im 6ten westindischen Regiment ernannt.]

Die Verwirrung und der Verdruß, den das Herzustürzen des Restes vom Hauptcorps, vermischt mit den Dragonern, die noch immer heftig vorwärts drangen, so wie die gänzliche Niederlage der Colonnen zu ihrer Rechten durch die Inniskillings, in der zweiten Colonne verursachte, war so groß, daß die ganze Masse eilig dem Dränge nachgab und eine unordentliche Flucht begann, verfolgt von den Garden bis an das Ende des Thales, durch welches die beiden Schlachtordnungen getrennt waren. 

Panik unter den Franzosen Panik unter den Franzosen Panik unter den Franzosen
Panik unter den Franzosen (Bild 1 - Bild 2 - Bild 3)

Die Inniskillings, welche das Central-Regiment der Brigade bildeten, kamen nicht ganz so zeitig mit der französischen Infanterie in Berührung, wie die Flanken-Regimenter. Die Colonnen unmittelbar in ihrer Fronte waren die zwei, welche durch das 54ste und 55ste französische Regiment gebildet wurde, jedes aus zwei Bataillonen bestehend, die, wie oben bemerkt, als Reserve und rechte Nachhut von Alix’s Hauptbrigade avancirten. Nur die Linke und ein Theil der Schwadronen im Centrum von den Inniskillings hatte durch britische Infanterie zu passiren, als sie vorrückten; die Fronte der rechten Schwadron war frei. Das irische „Hurrah!“ laut, wild und schrillend, füllte die Luft, als die Inniskillings über die Hecke und die Straße brachen und kühn den Abhang hinunter gegen die französischen Colonnen stürzten, welche ungefähr 300 Schritte entfernt waren; ein Zwischenraum, der die Heftigkeit des Angriffs noch zu vermehren und dazu beitrug, einen eben so glänzenden Erfolg zu sichern, wie der, den die anderen zwei Regimenter erlangt hatten. Die rechte und die Schwadron des Centrums rückten gegen das 55ste französische Regiment hinab, während die linke allein das 54ste angriff. Dieser Colonne, gleich denen zu ihrer Rechten und Linken, ward nicht Zeit gelassen, sich von ihrem erstaunen über den unerwarteten, plötzlichen und heftigen Cavalerie-Angriff zu erholen, der gegen sie losbrach. Ein schwaches, unregelmäßiges Feuer war der einzige Versuch, den sie machten, um die drohende Gefahr abzuwenden. Im nächsten Augenblicke waren die Dragoner unter ihnen und arbeiteten mit ihren Säbeln mit fürchterlicher Schnelle und Geschicklichkeit, und bahnten sich einen Weg in die Mitte der Haufen, welche in ihrem Zurückdrängen und Zerstreuen nach außen eine ganz ungewöhnliche Scene von Verwirrung darstellten. Zu der Verherung, welche dieses Regiment anrichtete, kam noch eine ungeheure Zahl Gefangener, die gemacht wurden. 

[Gerade als die Inniskillings auf dem Punkte waren, über die Wavre-Straße zum Angriff anzurücken, rief zu ihrer Linken ein Mann in Civilkleidern aus: „Nun ist es Zeit für Euch!“ Dies war der Herzog von Richmond, der durch seine Freundschaft mit dem Herzog von Wellington und durch das Interesse, das er natürlich an dem Fortgang des Feldzuges nahm, vernlaßt ward, sich auf das Schlachtfeld zu begeben, nicht in militärischer Eigenschaft, da er nicht bei der Armee angestellt, sondern lediglich als „amateur“. Sein Sohn begleitete ihn, der jetzige Lord Lennox, damals Cornet bei der Leibgarde (blauen) und Extra-Adjutant des General-Major Maitland. Der Letztere hatte einige Tage vor der Schlacht eine schlimmen Fall von seinem Pferde in dem Park von Enghien erlitten, sein Arm war gebrochen, die Sehkraft seines linken Auges war zerstört und man verzweifelte an seinem Leben. Als er aber hörte, daß sein Mit-Adjutant, Capitain Lord James Hay, bei Quatre-Bras gefallen war, beschloß er, seinen Vater auf das Schlachtfeld am 18ten zu begleiten. Hier stellte er sich dem general Maitland vor, der ihm jedoch nicht erlauben wollte, bei ihm zu bleiben, indem er sah, daß ein junger Mensch von 15 Jahren mit verbundenem Arme und einer Augenbandage, übrigens schwach von Körperbau, schwerlich einen nützlichen Adjutanten abgeben würde. Lord Lilliam begleitete dann den Vater, der auf dem felde umherritt, ohne das heftige Feuer zu achten, dem er oft ausgesetzt war, mit seinen freunden sich unterhielt und seine Bemerkungen mittheilte, als wenn er im activen Dienste wäre. Nachdem er den glänzenden Cavalerie-Angriff zur Linken mit angesehen, ging er rechts vorwärts, doch da sie bemerkten, daß das Feuer sehr heftig und der Boden mit Gefallenen bedeckt ward, kehrte er und sein Sohn mit Muße nach Brüssel zurück. Zwei andere Mitglieder des edlen Hauses Lennox waren auf dem Schlachtfeld gegenwärtig und zeichneten sich durch ihren Eifer und ihre Kühnheit als Stabsoffiziere aus, Capitain Graf von March (gegenwärtig Herzog von Richmond), welcher Extra-Adjutant Sr. K. H. des Prinzen von Oranien war und Lieutenant Lord George Lennox, Adjutant des Herzogs von Wellington.] 


 

Die Garde-Brigade setzte ihren Angriff unten am Anhange rechts und zum Theil links von La Haye Sainte mit der ausgezeichneten Tapferkeit und mit dem besten Erfolg fort; das erste Regiment Leibgarde schwenkte und drang heftig auf den Nachtrab der Kürassiere, als ein bedeutender Theil derselben unordentlich nach demjenigen Theile der Hochstraße zwischen dem Obstgarten von La Haye Sainte zustürzte, welcher zwischen hohen Abhängen liegt und auf diese Weise ganz von Flüchtlingen angefüllt war. Viele von ihnen, die ihren Rückzug so stark verhindert sahen, wendeten sich wieder gegen den Feind und es erfolgte ein verzweifeltes Handgemenge, welches indessen schnell durch ein verwüstendes Feuer beendet ward, das über das erste Garderegiment von der Spitze der Anhöhe herab gerichtet ward von den leichten Truppen von Bouhelou’s [!] Division, welche die Höhen besetzten, durch welche die Straße einen Durchschnitt bildete. Die königlichen Garde-Dragoner verließen diesen Kampf zu ihrer Rechten, rasselten über das Pflaster und erstiegen kühn die feindliche Stellung. Zur Linken hatte sich mit ihnen das 2te Garderegiment verbunden, was links von La Haye Sainte herkam. Mit diesen wurden nun die Königlichen und die Inniskillings-Dragoner verbunden, während weiter links die schottischen (Greys) standen, - die ganze Linie scheinbar ohne alle Ordnung, rasend ihren wilden Lauf verfolgend, wie trunken vom Übermaß ihres Triumphs. Hier war es, wo Lord Uxbridge, der den Angriff in Person geleitet und Alle durch sein Beispiel angefeuert hatte, sich ängstlich nach Unterstützung umsah, auf die er so zutrauensvoll rechnete; als er zu seiner größten Verwunderung und Bekümmerniß entdeckte, daß keine bei der Hand war. Ponsonby’s eigene Reserve, welche Lord Uxbridge selbst durch die schottischen Dragoner (Greys) gebildet hatte, war nothwendig in der Fronte verwendet worden auf die oben beschriebene Weise, wovon er bei seiner Stellung als Führer der Frontlinie ganz ununterrichtet war. Die Reserve von Somerset’s Brigade, bestehend aus der blauen Garde war während des Angriffes zur Fronte herangekommen und hatte sich mit ihm vereinigt.

Das Regiment ward gut geleitet und durch seine verhältnißmäßig gute Ordnung die Zurückziehung des übrigen Theiles der Brigade von weiterer Verfolgung sehr erleichtert. Doch stand es auf der linken Seite der Hochstraße hinter Ponsonby’s Linie, um diese, wie höchst nöthig, zu unterstützen. Lord Uxbridge konnte nicht auf diese Umstände bei beiden leichten Cavalerie-Brigaden rechnen, die auf der äußersten Linken standen und zur Unterstützung von Ponsonby’s Vorrücken herangekommen waren, in Übereinstimmung mit den allgemeinen Instructionen, die den Brigadiers hinsichtlich gegenseitiger Unterstützung gegeben worden waren. Zwar war Vandeleur’s Brigade, die nächste dann in Bewegung, um ihnen Beistand zu leisten, allein ihr Fortschritt wurde unglücklicher Weise dadurch sehr gehemmt, daß sie erst eine retrograde Bewegung machen musste, um durch einen Hohlweg zu kommen, der sie von den Truppen zu ihrer Rechten trennte. Vergeblich befahl Lord Uxbridge zu halten und sich wieder anzuschließen, weder seine Stimme, noch die Trompete wurde gehört. Wenige Minuten nachher sah man die vorgerückte Linie die feindliche Stellung besetzen. Die königlichen Garde-Dragoner wurden plötzlich einem mörderischen Feuer von den Batterien und von Bachelu’s Infanterie-Colonnen zu ihrer Rechten ausgesetzt, und als man ein starkes und wohlforcirtes Kürassier-Corps auf dem Punkte sah, an der Niederung, jenseits der Höhe vorzurücken, die sie so keck erstiegen, so wandten jene mit den Garden und Inniskillings, die sich angeschlossen hatten, sich zu einem schleunigen Rückzug. Die schottischen (Greys) zugleich mit vielen der Garden und Inniskillings stürzten sich unter die Batterie in dieser Richtung hin, hieben die Kanoniere nieder und erstachen die Pferde, bis sie das Heranrücken eines Corps französischer Lanciers bemerkten, die schräg von der linken Seite auf die Arena dieses merkwürdigen Kampfes herabkamen. Nun zogen jene sich zurück, doch mit ihren verwundeten und erschöpften Pferden wurden sie bald von den Lanciers überholt. Diese bildeten den Vortrab von Jaquinots leichter Cavalerie-Brigade, welche aus unverantwortlicher Nachlässigkeit den angreifenden Infanterie-Colonnen keinen schnellen und eifrigen Beistand geleistet hatte.

Die beiden britischen schweren Cavalerie-Brigaden waren nun in vollem Rückzuge. Die Brigade Somerset gewann ohne große Belästigung ihre frühere Stellung wieder, doch Ponsonby’s Dragoner, besonders die Greys, welche auf der äußersten Linken waren, litten sehr durch Jaquinot’s Lanciers und Chasseurs, da der größßere Theil von ihnen in einem Zustande von äußerster Verwirrung und Erschöpfung war, während jene, ihnen an Zahl unendlich überlegen, in guter Ordnung und auf ganz frischen Pferden waren. Zur Rechten griffen die Lanciers in offener Colonne an; der Rest, der sich gegen die Linke ausbreitete, zerstreute sich rasch über die Ebene, warf sich auf die Vereinzelten und Verwundeten, was nur von britischer Cavalerie ihnen nahe kam; zugleich flößten sie demjenigen Theil ihrer eignen zerstreuten Infanterie, der noch im Rückzuge begriffen und in Unordnung war, Muth und Vertrauen ein.

Endlich traf die so dringend nöthige Unterstützung von Ponsonby’s Brigade auf der linken Flanke ein. Vandeleur hatte, nachdem er durch den Hohlweg gegangen war, der seinen Fortgang zu der Scene der Handlung unterbrochen, den Theil der Stellung erreicht, welcher von Best’s Hannöverscher Brigade besetzt war, durch welche er nun zu der Fronte in Divisionen vorrückte. Das 12te leichte Dragoner-Regiment, das an der Spitze stand, bewegte sich schnell den Abhang hinab; das 16te Regiment blieb etwas höher stehen, während das 11te auf dem Kamm des Hügels als Reserve aufgestellt ward. Das 12te und 16te zogen sich rechts der Linie zusammen. Als Oberstlieutenant Ponsonby, der das 12te Regiment commandirte, die Verwirrungunter der französischen Infanterie im Thale, so wie die höchst kritische Lage einer Menge zerstreuter rother Dragoner nahe dem Höhepunkte der französischen Stellung bemerkte, griff er augenblicklich eine Masse ungeordneter Infanterie an, die zwischen ihn und jene Dragoner gekommen waren. Diese Infanterie bestand aus der  hintersten Reserve-Colonne von Marcognet’s Division und war die einzige unter den angreifenden Colonnen, die noch nicht in den Kampf gekommen. Jetzt war sie nun bestimmt, das Schiksal der anderen zu theilen. Schon aber mit durch die Unordnung, in welche die ganze Infanterie zu ihrer Linken gerathen war und nun so plötzlich und unerwartet von der rechten Seite her attakirt, wurde sie durch den Angriff des 12ten Regiments durchschnitten. Diese Dragoner bahnten sich mit Gewalt einen Weg durch die Colonne, wodurch die Ornung derselben natrürlich sehr aufgelöst wurde, und kamen den Lanciers, die Ponsonby’s Brigade verfolgten, in die rechte Flanke. Sie behaupteten ihren Ritt und stürzten sich unter die französische Cavalerie und indem sie fast perpendicular auf ihre Flanke losgingen, stürzte sie alles vor sich nieder, was unmittelbar vor ihrer Fronte war. Das 6te leichte Dragoner-Regiment, Vandeleur an ihrer Spitze griffen tapfer die Fronte der Lanciers an, deren weiteres Vorrücken durch diesen doppelten Angriff völlig verhindert ward. Auf ihrer äußersten Rechten kam das 16te Regiment beinahe mit einigen der retirirenden Dragoner zusammen, doch die zwei Regimenter trieben glücklich die französische leichte Cavalerie wieder nach der Thal-Ebene zurück, die sie nicht zu überschreiten, vor ihrem Angriffe Befehl erhalten hatten. Einige Wenige vom 12ten und 16ten Regimente stürzten nichtsdestoweniger thörichter Weise die entgegengesetzte Höhe hinan, wo zu dieser Zeit frische Truppen angelangt waren, die sie für ihre Thorheit büßen ließen.

Mittlerweile war Merle’s holländisch-belgische Brigade auf dem Kamm der Haupt-Position herangekommen, links von Vandeleur’s Brigade, doch nur ein kleiner Theil davon ging den Hügel hinab und folgte dem 12ten leichten Dragoner-Regimente. Sie schien am Angriff keinen thätigen Antheil zu nehmen. Vermutlich wurde sie durch das lebhafte Feuer, das Durutte’s Avantgarde von einer kleinen Anhöhe und Hecke unten am Abhange unterhielt und wovon auch das 12te Dragoner-Regiment vorher viel gelitten hatte, zurückgeschreckt.

Als Vivian von der äußersten Linken herkam und etwas an den Abhang hinunterging, um Beobachtungen anzustellen, und Ponsonby’s Brigade in Unordnung die französischen Höhen angreifen sah, sandte er sogleich dem 10ten und 18ten britischen Husaren-Regimente Befehl, sich durch den Hohlweg zu ihrer Rechten zu bewegen, und ließ das andere Regiment seiner Brigade, das 1ste Husaren-Regiment von Königs deutscher Legion, zurück, um auf die Linke ein Augenmerk zu richten. Ganz kurz darauf zogen zwei Kanonen, von seiner reitenden Batterie en avance detachirt, auf dem Kamme der Haupthöhe auf; hatten aber kaum ihr Feuer eröffnet, als ein wohlberechneter Schuß von einer der französischen Batterien durch die Munitions-Kästen fuhr und eine Explosion verursachte, die auf Seiten der französischen Artillerie ein lautes Triumphgeschrei veranlasste. Nachdem der Angriff von Vandeleur’s Brigade, sogar ohne thätigen Beistand ihrer eignen Reserve (des 11ten Regimentes leichte Dragoner) von günstigem Erfolg gewesen war, fand man das Vorrücken des 10ten und 18ten Husarenregimentes nich nöthig; sie blieben vielmehr in ihrer neuen Stellung rechts von der kleinen Straße, die nach Verd-cocou führt, und die zwei Kanonen gingen wieder zu ihrer Batterie zurück.

Das Raketen-Korps des Major Whinyate war auf die Spitze des Haupthügels von seiner vorherigen Reserve-Stellung nahe bei Mont St. Jean heraufgezogen, und die Raketen-Abtheilungen bewegten sich nun an den Fuß des äußeren Abhanges herab, von wo sie auf die französischen Truppen, die sich dann auf den entgegengesetzten Anhöhen formirt hatten oder im Begriff standen sich wieder zu formiren, mehrere Raketen warfen. Sogleich nach Leistung dieses Dienstes, der tapfer und geschickt geleitet ward, ging die Truppe wieder zu ihren Kanonen auf der Spitze der Position zurück.

In der allgemeinen Verwirrung, welche durch den Angriff der britischen schweren Dragoner und durch Niederlage solcher Massen von Infanterie verursacht und durch die nachfolgenden Angriffe erst der französischen Lanciers und dann der 2 Regimenter britischer leichter Cavalerie noch vermehrt ward, entstanden schwere Verluste auf beiden Seiten, und die britische Armee ward einiger ihrer glänzendsten Zierden beraubt. Der tapfere Anführer der Union-Brigade ward ein Opfer seines ritterlichen und patriotischen Eifers, als er zur alliierten Stellung zurückzukehren versuchte, nachdem er die angestrengtesten, doch fruchtlosen Versuche gemacht hatte, seine Leute von ihrer wilden Verfolgung des Feindes abzuhalten und sie aus einen Kampfe zurückzuziehen, in welchem sie schon unsterblichen Ruhm eingeerndtet hatten. Aufgehalten durch eine Parthie Lanciers auf dem weichen Boden eines neugepflügten Feldes, aus welchem sich sein erschöpftes Roß nicht herauszuarbeiten vermochte, fiel er unter ihren tödlichen Lanzenstößen. Sir William Ponsonby hatte sich als Cavalerie-Officier in Spanien ausgezeichnet, und abgesehen von seinen militärischen Verdiensten, die von Vorgesetzten und Untergebenen gerecht geschätzt wurden, machte sein liebenswürdiger Charakter und seine persönlichen Tugenden ihn bei allen seinen Cameraden beliebt. Sein eben so tapferer Namensvetter, Oberst Fr. Ponsonby, versuchte nach seinem glänzenden Angriff mit dem 12ten leichten Dragoner-Regiment erst durch eine Colonne Infanterie, dann auf die rechte Flanke der Lanciers, sein Regiment von weiterer Verfolgung zurückzuziehen, als er, an beiden Armen durch Wunden unfähig gemacht, von seinem Pferde hinauf zur Spitze der französischen Stellung getragen ward, wo er durch einen Säbelhieb besinnungslos zu Boden gestreckt wurde; man vermuthete allgemein, er sei auf dem Felde geblieben. Oberstlieutenant Hay, der das 16te leichte Dragoner-Regiment commandirte wurde höchst gefährlich verwundet. Oberst Hamilton, der Befehlshaber der schottischen Dragoner (Greys), wurde, nachdem er sein Regiment durch die feindlichen Colonnen tapfer über das Thal und auf die entgegengesetzten Anhöhen geführt hatte, zum letztenmal weit vor seinen Truppen voraus gesehen, wornach man, da er niemals wieder zum Vorschein kam, vermuthete, er sei als ein Opfer seiner ausgezeichneten aber zu voreiligen Tapferkeit mitten unter den französischen Linien gefallen. Oberst Fuller, der das erste Regiment königlich Garde-Dragoner commandirte, wurde getödtet, als er bei Verfolgung der Kürassire sein Regiment kühn die französische Anhöhe hinaufführte auf der alliierten linken Seite der Straße von Charleroi. Überdies erlitt die britische Cavalerie in dieser Affaire einen schweren Verlust an Officieren und Mannschaft.

Mit Ausnahme der Leichname der Gefallenen, so wie derjenigen Verwundeten, welche zu weit von ihren Linien entfernt waren, als daß sie hätten weggebracht werden können, endlich der ledigen Pferde, von denen einige wild umher trabten, andere ruhig grasten und viele schwankten, niederstürzten oder vor Schmerz von ihren Wunden den Boden scharrten, war der Schauplatz dieses furchtbaren Kampfes, der nur wenige Minuten vorher zu Ende ging, nun völlig rein. Die zurückziehenden Haufen der französischen Infanterie waren hinter dem vordersten Hügel ihrer Position verschwunden, um ihre zerstreuten Überreste zu sammeln und wieder in Ordnung zu bringen. Die britische Cavalerie war auf ähnliche Weise beschäftigt – Somerset’s Brigade rechts von der Charleroi-Straße, nahe am Obstgarten der Meierei Mont St. Jean; Ponsonby’s auf der entgegengesetzten Seite der Straße, hinter einem Hügel, der die Niederung unter dieser Meierei begrenzt; Vandeleur’s am innern Abhang der Stellung, weiter rechts, als wo sie früher am Tage gestanden hatte. Pack’s und Best’s Brigaden schlossen sich rechts an Kempt an, so daß sie den Zwischenraum ausfüllten, der durch den Rückzug von Byland’s holländisch-belgischer Brigade entstanden war; und der Hügel in Fronte der Kempt’schen Brigade wurde wieder von drei Compagnien des 95sten Regimentes besetzt, so wie die Meierei La Haye Sainte von dem 2ten leichten Bataillon von Königs Deutscher Legion, verstärkt durch 2 Compagnien des 1sten leichten Bataillons dieses Corps. Generalmajor Sir John Lambert’s Infanterie-Brigade, die bei Mont St. Jean in Reserve geblieben war, hatte sich in Bewegun gesetzt zu der Zeit, da Ponsonby’s Dragoner zum Angriffe vorrückten, und jetzt stellte sie sich links von der Charleroi-Straße auf, als Reserve der 5ten Division.

Die Wichtigkeit der Folgen dieser gänzlichen Zurückschlagung des französischen Angriffs war ganz dem Ruhme gleich zu stellen, durch welchen die Ausführung derselben sich auszeichnete. Der Zwek jenes Angriffes, welcher darin bestand, das Centrum und den linken Flügel der englisch-alliierten Armee zu forciren und ein bedeutendes Truppen-Corps in der Nähe von Mont St. Jean aufzustellen, ward vollständig vereitelt. 3000 Gefangene wurden gemacht; 2 Adler wurden genommen; und 30 bis 40 Kanonen wurden für den Rest des Tages hors de combat gesetzt.